Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 22. November 2017

Ausgabe vom 10. August 2004

Lübeck nicht in Metropolregion HH

Zu `Zeichen für Norddeutschland', SZ vom 15. Juni

Fast könnte man sich freuen: Seit einem Jahr schon kooperieren die ungleichen Schwestern Lübeck und Hamburg. Stolz ziehen ihre Stadtväter eine positive Bilanz und blicken zuversichtlich in eine globalisierte Zukunft. Man hat es geschafft, Synergieeffekte zu nutzen, Kapazitäten zu bündeln und Ressourcen zu teilen. Vor dem Hintergrund eines globalen und regionalen Wettbewerbs, in dem ein jeder eines jeden Feind ist, wo jeder jeden ökonomisch auszubooten versucht, tut das Zusammenlegen von Kräften Not. Das scheint aber nur dort geboten zu sein, wo sich Kosten sparen und prestigeträchtige Projekte im Namen künftiger Gewinne anpreisen lassen. Auf anderen Gebieten nämlich sind die Beziehungen zwischen beiden Städten weniger partnerschaftlich. So hat es Lübeck noch nicht einmal in den Kreis der Hamburger Metropolregion geschafft. Eine Folge davon: Am 23. Mai 2003, pünktlich zur Unterzeichnung der "Vereinbarung über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit" im Juni, novellierte der Senat das Hamburger Hochschulgesetz. Das hatte zur Folge, daß Studenten aus Lübeck fortan 500 Euro pro Semester Eintrittsgeld für Hamburger Hochschulen bezahlen müssen. Vielleicht halten es die Stadtväter für eine Form der Kooperation, wenn eine wenig vermögende Minderheit aus Lübeck zur Finanzierung öffentlicher Einrichtungen des Stadtstaates herangezogen wird. Vielleicht zeigt diese Posse aber auch nur, daß mit wohlfeilen Worten davon abgelenkt werden soll, wie wenig die Belange der Bürger interessieren.

Frank Spatzier,

Lübeck

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