Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 06. September 2004

"Sich verstehen ohne viele Worte"

KISS koordiniert seit 15 Jahren Selbsthilfegruppen

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Irene Machmar leitet seit 15 Jahren die Kiss.; Foto: N. Neubauer

Der siebte Selbsthilfetag in der Petri-Kirche Ende August ist erfolgreich verlaufen: Über 1100 Besucherinnen und Besucher nutzten die Veranstaltung der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS), um sich über die 47 Gruppen, die sich beteiligten, zu informieren. Zu den Besuchern zählten Betroffene, die sich über bestimmte Probleme informierten genauso wie Mitarbeiter von Beratungseinrichtungen, die sich einen Überblick über die Selbsthilfeszene insgesamt machten. Auch Bürgerschaftsmitglieder unterschiedlicher Parteien nutzten den Informationstag. "Wir hatten den ganzen Tag über viele interessierte Besucher", sagte Britta Oberschmidt, die mit einem Stand der Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom vertreten war. "Alles lief reibungslos, der Selbsthilfetag war super organisiert."

Die KISS, die den Tag organisierte, feierte zugleich 15jähriges Bestehen. Entstanden ist die KISS vor dem Hintergrund der Selbsthilfebewegung, die sich in den 70er Jahren entwickelte. Patienten begannen, sich vom medizinischen System zu emanzipieren, sich selbst über Krankheiten, Ursachen und Behandlungsmethoden zu informieren; sie gewannen Kraft aus Betroffenheit. Als Irene Machmar im Juni 1989 ihre Arbeit als Leiterin der KISSaufnahm, waren Selbsthilfegruppen längst nicht so weit verbreitet wie es heute der Fall ist. Damals gab es nur rund 20 Selbsthilfegruppen, heute sind es über 150. Wer vor 15 Jahren zu einer Gruppe ging, machte dies oft heimlich, ohne Freunden und Familienangehörigen davon zu erzählen. "Ein Wunsch war von mir immer, daß es so selbstverständlich ist in eine Selbsthilfegruppe zu gehen wie man zum Sport geht", sagte Irene Machmar in ihrer Rede zum Selbsthilfetag. Ganz so verhält es sich noch nicht in Lübeck, aber "es hat sich wirklich eine Menge getan", ist Machmar überzeugt. "Selbsthilfegruppen sind anerkannt - auch politisch."

Daß sich die Selbsthilfegruppen etabliert haben und ihre Leistungen und Hilfe geschätzt werden, zeigt nicht zuletzt auch die personelle Aufstockung der KISS um eine Halbtagskraft, die die Krankenkassen seit einem halben Jahr finanzieren.

In Lübeck gibt es Selbsthilfegruppen für HIV-Positive genauso wie für Rheuma-Kranke oder für Eltern eßgestörter Töchter und Söhne. Es gibt die Gruppe der Aphasiker wie die Gruppe der jungen Nierenkranken oder die der Arbeitslosen. Daß so viele existieren, hänge auch mit der Veränderung der Gesellschaft zusammen, meint Machmar. "In unserer Gesellschaft möchte man mit Krankheiten nichts zu tun haben. Hinzu kommt, daß derjenige, der eine bestimmte Krankheit nicht hat, das Leid des Betroffenen ja auch oft gar nicht nachvollziehen kann." In einer Gruppe mit Gleichgesinnten, mit Menschen, die ähnliche Nöte,

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