Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 12. Oktober 2004

Ziemlich multikulti

Neu in den Kammerspielen: "Ost ist Ost und West ist West" von Ayub Khan-Din

Was wären wir ohne Pizza, Döner, Moussaka. Und was wären wir ohne die Immigranten also, die nicht nur unsere Küche fantasievoller machen, sondern auch unsere Straßen bunter und unseren Horizont weiter? Deutschland ist längst ein Einwanderungsland geworden, und sie - die Ausländer - leben mittlerweile in der dritten Generation mitten unter uns. Und doch wissen wir bisweilen seltsam wenig über die Menschen aus fremden Kulturen, die anderen Göttern huldigen, Kopftücher tragen und andere Feste feiern als wir.

Aufklärung bringt das englische Stück "Ost ist Ost und West ist West" von Ayub Khan-Din, das am 15. Oktober Premiere in den Kammerspielen hat. Es zeigt eine englisch-pakistanische Familie, die im täglichen Zusammenprall der Kulturen und Generationen lustvoll-chaotisch ziemlich multikulti lebt. Denn unter dem Dach der vielköpfigen Familie Khan prallen täglich zwei Weltanschauungen aufeinander.

Wie ein Patriarch wacht das pakistanische Familienoberhaupt Georges "Dschingis" Khan über seine Kinder und will sie gern zu guten Moslems erziehen. Doch der Erfolg ist so mäßig wie die Erziehungsmethoden. Der älteste Sohn ist bereits verloren, als homosexueller Friseur passt er nicht in das männlich dominierte Weltbild des Vaters, der jeden Kontakt mit ihm verweigert. Die Kinder halten sich ohnehin eher an ihre bodenständige (britische) Mutter und fühlen sich als moderne Engländer. Sie studieren heimlich Kunst, essen Schweinefleisch, lassen die Haare wachsen und wollen keine arrangierte Ehen eingehen. Es lauern also jede Menge Konflikte im Wohnzimmer und der angrenzenden Fish-and-Chips-Bude der Familie.

Ayub Khan-Din beschreibt in diesem 1996 uraufgeführten Stück seine eigene Jugend in Manchester der siebziger Jahre. Mit typisch britischem Humor zeichnet er das Bild einer Familie, die sich zwischen Tradition und Moderne zu behaupten versucht. Es ist eine zutiefst humane Botschaft, die der Autor vermittelt: Toleranz ist besser als Fanatismus, Probleme lösen sich besser mit Schläue als mit Gewalt - und wenn nicht jeder Konflikt eine hollywoodreife Lösung findet: Das Leben geht weiter.

In der Ausstattung von Matthias Karch inszeniert Pit Holzwarth erstmals in Lübeck. Der Regisseur hat in New York studiert und an der Bremer Shakespeare Company einen eigenen Weg zur Figuren- und Szenenfindung entwickelt - zusammen mit Renato Grüning, der in der Lübecker Inszenierung den Vater spielt. Dagmar Laurens ist als Mutter dabei, als Söhne sind Philipp Romann, Silvio Caha, Arne Burchard, Jan Becker und Vincenz Türpe mit von der Partie, Doris Schefer verkörpert die Tochter, und Rainer Luxem ist als Mr. Shah der einzige Außenstehende.

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