Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 18. August 2019

Ausgabe vom 19. Mai 1998

Was hat Sauberkeit mit Umweltschutz zu tun?

Bündnis 90 / Die Grünen

Unsere Stadt soll sauber werden, und das ist gut so. Wir heben Bierdosen von der Straße auf, waschen Graffiti von Betonwänden ab, entfernen Bonbonpapier von Rasenflächen und sammeln Hundekot in den Grünanlagen ein.

Wir tun damit etwas für die Umwelt, so ist manchmal zu hören. Was aber hat Sauberkeit mit Umweltschutz zu tun? Bei näherem Hinsehen nicht viel.

Bevor die Bierdose auf der Breiten Straße herumrollt, wurde ihr Aluminiumdeckel mit unverantwortlich hohem Energieaufwand aus Bauxit gewonnen und dann ertragreich im Einzelhandel verkauft. Der Graffiti-Entferner ist vermutlich sondermüllpflichtig, für die Gleichmäßigkeit des Rasens hat womöglich ein Chemikalieneinsatz gegen Gänseblümchen gesorgt, und den Hundekot beim Schneebeerenstrauch würde das Erdreich in wenigen Zentimetern Tiefe rückstandsfrei verdauen, wenn wir ihn nicht mit einem Plastikhandschuh in einen Plastikbeutel füllen.

Sauberkeit kann etwas sehr Schönes sein, aber wer versucht und warum, sie als Umweltschutz darzustellen?

Das tun mit Vorliebe konservative Parteien, Einzelhandelsvereinigungen wie das Lübeck-Management e.V. und Zeitungen wie die Lübecker Nachrichten.

Mit Schaufel und Spaten

Dieselben also, die Umweltzerstörungen in größtem Maßstab fordern und durchsetzen: Autobahnneubau, Autovermehrung in der Stadt und Ausweitung des Flugverkehrs.

Zugunsten privater Wirtschaftsinteressen arbeiten sie mit dem Schäufelchen in der einen Hand gegen das Hundehäufchen und mit dem Spaten in der anderen für die Autobahn A 20.

Nicht verkohlen lassen

Lassen wir uns also nicht verkohlen und bringen wir Sauberkeit und Umweltschutz zusammen. Entfernen wir die Zigarettenschachtel aus den Wallanlagen und auch die Blechlawine aus der Stadt.

Lassen wir nicht weitere Plastiktüten in die Trave fallen und auch nicht weitere Klimakiller vom Flughafen Blankensee aufsteigen.

Eine alte Bierdose in der Breiten Straße stört und ein neuer Hochspannungsmast in der Landschaft stört.

Große Tiere: großer Mist

Kleinvieh macht zwar auch Mist, aber große Tiere machen größeren Mist. Bei ihnen den Besen anzusetzen, ist effektiver: da kehren wir mehr Unrat in kürzerer Zeit zusammen.

V.i.S.d.P.:
Hans-Jürgen Schubert

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de