Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 11. Dezember 2018

Ausgabe vom 26. Mai 1998

Der Wettlauf gegen die Zeit ist geblieben

Heute wird im Kampf gegen den "roten Hahn" moderne Technik eingesetzt - 100 Jahre Berufsfeuerwehr

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Die Männer der Berufsfeuerwehr heute - und früher (kl. Bild); Fotos: Archiv, C. Vogt-Müller

Wenn die Feuerglocken von St. Marien und St. Jakobi läuteten und der Feuerruf durch die Straßen gellte, geriet die ganze Stadt in Aufruhr. Spritzenleute stiegen hastig in ihre Leinenkittel, setzten ihren Feuerhut auf und eilten zu den Feuerstationen. Spritzen und Wasserbehälter, damals Wasserkufen genannt, wurden auf die Pferdegespanne geladen und in rasendem Galopp zum Brandort gefahren. Zu Hilfe kamen Garnison, die Artillerie und weitere Hilfstrupps. Bei Großbränden konnte man rund 600 Mann mobilisieren.

Doch Ausbildung und Alarmbereitschaft der Pflichtfeuerwehr des 19. Jahrhunderts waren oft ungenügend. Die Spritzenmänner waren schwer erreichbar, ihre Wohnungen lagen weit übers Stadtgebiet verstreut. Tagsüber wollten viele lieber ihrer Arbeit nachgehen, um Lohneinbußen zu vermeiden. So erschien 1897 durchschnittlich nur ein Fünftel der Mannschaften an den Brandorten.

Ein unhaltbarer Zustand, konstatierte der damalige Branddirektor und Baurat der Polizei, Eugen Paul Theodor Deditius. Er erkannte, daß die Ursache für den ungenügenden Einsatz des Feuerwehrkorps nicht Ungehorsam war, sondern die schlechten Bedingungen. Deditius erarbeitete einen Plan zur Umgestaltung. Am 21. März 1898 beschloß der Senat: "Zum 1. Juli 1898 wird das Städtische Feuerwehrkorps in eine Berufsfeuerwehr umgewandelt."

Das Personal bestand fortan aus dem Branddirektor und einem Brandinspektor, einem Geschirrmeister, vier Oberfeuerwehrmännern, zwei Maschinisten und 21 Feuerwehrmännern. Jetzt erhielten leitende Personen eine Pensionsberechtigung und die Mannschaften Anspruch auf Ruhegeld. Anspruch auf Witwen- und Waisenversorgung hatten alle Mitglieder der Wehr.

Ausrücken in 35 Sekunden

Ausgerüstet waren die Feuerwehrmänner des frühen 20. Jahrhunderts mit drei Gasspritzen, drei Dampfspritzen, zwei Mannschaftswagen, sechs Wasserwagen und zwei Schlauchkarren. Die Wagen wurden von zwei Pferden bewegt. Das Spritzenhaus auf dem Schrangen blieb Hauptfeuerwache bis 1906. Am 21. Mai 1906 bezog die Berufsfeuerwehr (BF) Lübeck die neue Wache in der Fleischhauerstraße 91. Die Mannschaftsräume lagen über der Fahrzeughalle, über Rutschstangen schnell zu erreichen. An jeder Seite der Wagendeichsel stand ein Pferd bereit, und in nur 35 Sekunden war man klar zum Ausrücken.

Mit dem Fortschreiten der Technik verdrängten Benzinfahrzeuge die Pferdegespanne. Damit war die Feuerwehr immer schneller am Brandort, Katastrophen wie die Riesenbrände 1913 in den Holzlagern der Firmen Brüggemann und Havemann wurden immer seltener.

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde die Feuerwehr für militärische Zwecke mißbraucht und 1937 der Polizei als Feuerschutzpolizei einverleibt. In der Nacht vom 28. zum 29. März 1942 sahen sich die Löscheinheiten Aufgaben nie gekannten Ausmaßes gegenüber: Nach einem Luftangriff englischer Kampfflugzeuge sank ein großer Teil der Altstadt in Schutt und Asche. Mit Unterstützung auswärtiger Lösch-einheiten versuchten die Feuerwehrleute, soviel wie möglich zu retten.

Im Juni 1945 wurde aus der Feuerschutzpolizei wieder die zivile Berufsfeuerwehr, die sich im Lauf der Zeit zu einer professionell arbeitenden Institution entwickelt hat.

Fahrzeuge der neuen Generation

Auf dem Hof der Feuerwache 1 in der Bornhövedstraße stehen bereits zwei Hilfeleistungslöschfahrzeuge (HLF), Fahrzeuge der neuesten Generation. Modernste Technik und wirtschaftlicher Einsatz zeichnen die Fahrzeuge aus. Alle vier Wachen werden zukünftig mit einem HLF ausgerüstet, die Wache 2 am Behördenhochhaus verfügt bereits über ein HLF.

Modernste Technik ist Voraussetzung, um die hohen Qualitätsstandards in allen Aufgabenbereichen der Feuerwehr zu sichern. Sie reichen heute von der Brandbekämpfung über technische Hilfeleistung, Rettungs- und Krankentransportdienst bis hin zum Zivil- und Katastrophenschutz. Heute garantiert die Berufsfeuerwehr, daß vom Empfangen des Notrufes maximal zehn Minuten vergehen, bis mindestens zehn Personen am Einsatzort innerhalb des Stadtgebietes sind.

In Travemünde und Krummesse sind diese Zeiten allerdings nicht realisierbar. Das zeigt, wie wichtig nach wie vor die Zusammenarbeit mit den 23 Freiwilligen Feuerwehren in der Hansestadt ist.VM

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