Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Mai 2005

Möglicher Standort: Kanalstraße

Nach 20 Jahren endlich neue Unterkunft für die Freiwillige Feuerwehr Innenstadt

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Der momentane Standort in der Willy-Brand-Allee erfüllt keinerlei Kriterien, die eine Feuerwehr zum Arbeiten braucht.; Foto: M. S. Niemann

Über 40 Personen müssen sich eine Toilette teilen, es gibt keine Dusche, die Quadratmeterzahl des Ausbildungsraumes lässt selbigen kaum als solchen erkennen und überhaupt ist das Gelände in der Willy-Brandt-Allee für die Freiwillige Feuerwehr Innenstadt viel zu klein. "Wir brauchen ein Grundstück von 2.500 bis 3.500 Quadratmeter Größe", so Stadtbrandmeister Detlef Radtke.

Das dürfte nach über 20 Jahren Diskussion endlich Wirklichkeit werden. Die CDU-Fraktion beantragte in der Bürgerschaftssitzung am vergangenen Donnerstag den Standort Kanalstraße als Ersatzstandort für die Unterkunft der Innenstadt-Feuerwehr vorzusehen. Der Antrag wurde mit der Ergänzung der FDP-Fraktion, im Falle einer Rückzahlung der Städtbaufördermittel an das Land Schleswig-Holstein neu in der Bürgerschaft zu verhandeln, angenommen. Zuvor gab es eine hitzige Kontroverse aller Fraktionen.

Lange Diskussion

Hintergrund: In der Bürgerschaftssitzung vom 26. Februar 2004 wurden die Parteien aufgefordert, einen Standort zu finden, der die wichtigsten Kriterien erfüllt: Groß genug, altstadtnah gelegen, und doch "abgelegen" auf Grund der Lärmbelästigung. Von acht Vorschlägen kamen drei in die engere Wahl. Favorit war die Kanalstraße, mit 2.600 Quadratmeter großem Gelände, Altstadtnähe ist gegeben. Minuspunkt: Ein ins Stadtbild passendes Gebäude muss errichtet werden, 107 Parkplätze, mit 128.000 Euro Landesfördergeld errichtet, müssten zurück gebaut werden und es könnte eine Rückforderung der gesamten Städtbaufördermittel auf die Stadt zukommen. Zweiter im Rennen war der Standort Falkenstraße, auf dem ehemaligen Bosch-Gelände. Groß genug, doch gab es Unstimmigkeiten mit einem möglichen Investor und aus stadtplanerischer Sicht. Dritter Favorit: die Schützenstraße, der jedoch ein Manko im Einsatzfall durch das Überqueren des Lindentellers beinhaltet - ein nicht kalkulierbarer Zeitverlust.

CDU-Mann Rüdiger Hinrichs und Vorsitzender des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung: "Für uns alle ist der momentane Zustand der Unterkunft nicht akzeptabel, der Standort Kanalstraße erfüllt fast alle Kriterien". Es sei nun darauf hinzuwirken, dass die Landesregierung auf eine Rückforderung verzichtet.

Die SPD sprach sich ganz klar gegen die Kanalstraße aus: "Der Antrag der CDU zur Bürgerschaft kam verfrüht", so Reinhold Hiller und bezeichnet die CDU-Aktivität als "Alleingang". Ursprünglich sei ein gemeinsamer Antrag geplant gewesen. "Der Standort Kanalstraße verursacht mehr Kosten als Nutzen." Peter Reinhard, SPD-Fraktionschef, sah keinen Sinn im Wegbrechen der Parkplätze: "Die Wirtschaft fordert Stellplätze, hier sollen sie zurück gebaut werden. Damit gehen der Stadt neben den ganzen Kosten zusätzlich Parkgebühren verloren".

Bernd Möller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, war mit der Vorgehensweise der CDU-Fraktion nicht zufrieden: "Ich stehe zum Standort Kanalstraße, doch sind viele Dinge ungeklärt: die Rückzahlung der Gelder oder der teure Neubau der Unterkunft, die dort errichtet werden muss". Diese müsse sich in das Stadtbild einfügen, was immense Kosten verursachen würde. Bündnis 90/Die Grünen stellten den Antrag auf weitere Prüfung der alternativen Standorte, der jedoch abgelehnt wurde.

Senator Thorsten Geißler drängte auf eine schnelle Entscheidung, "um den Kameraden ein Signal zu geben, dass endlich etwas getan wird". Zwanzig Jahre warten wären genug.msn

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