Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 03. Mai 2005

Fachkongress der Lebenshilfe

350 Führungskräfte trafen sich zur Tagung - Vielerorts finanzielle Engpässe

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Axel Willenberg, Bernhard Conrads, Achim Wegmer und Robert Antretter setzen sich für das Wohl behinderter Menschen ein.; Foto:M. S. Niemann

Ein außergewöhnlicher Fachkongress tagte vom 27. bis 29. April in derMusik- und Kongresshalle: "Zukunft der Werkstatt - Werkstatt der Zukunft. Werkstätten der Lebenshilfe im Wandel". Es war das 11. Treffen der Führungskräfte aus Werkstätten für behinderte Menschen in der Lebenshilfe, das in unregelmäßigen Abständen veranstaltet wird. "In ganz Deutschland sind 240.000 behinderte Menschen in Werkstätten untergebracht, 35 bis 40 Prozent in Häusern der Lebenshilfe", so Dr. Bernhard Conrads, Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe. Als Ziel der Tagung nannte er drei Punkte: die Orientierung der Lebenshilfe, den Teilnehmern gestaltende Mitarbeit ermöglichen und sich politisch zu positionieren.

Interesse wie noch nie

Zum Kongress kamen 350 Führungskräfte. "Das zeigt die Brisanz der Themen und der Zeit. Ursprünglich waren 150 geplant", so Axel Willenberg, Chef der Marli-Werkstätten. Der Kongress sollte Klarheit im Umgang mit neuen Gesetzen aus dem Sozialgesetzbuch II, IX und XII, die vielerorts anders ausgelegt werden oder zu Verwirrungen führen, bringen. "Die Gesetze wurden vom Bund verabschiedet, doch in deren Handhabung sind die Länder in der Pflicht - und da kommt es oft zu Unstimmigkeiten. Dabei besteht ein Rechtsanspruch für behinderte Menschen auf Betreuung und auch Berufsbildung", so Willenberg. Zudem gebe es Schwierigkeiten zwischen dem Gesetzgeber, der Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt integrieren wolle, und Werkstätten, die für gerade mal für ein Prozent der behinderten Menschen die Chance sehen, einen "normalen" Job zu bekommen.

Wichtige Forderung

Eine wichtige Forderung der Lebenshilfe:Insbesondere Menschen mit sehr schweren und mehrfachen Behinderungen müssen ihren Arbeitsplatz in den Werkstätten erhalten. "Ein Drahtseilakt unter den verordneten Sparzwängen der Regierung", so Willenberg mit Blick auf die Haushaltslage der öffentlichen Hand. Der Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Robert Antretter, meint dazu:"Wir müssen in der Politik darauf hinwirken, dass es in unserem Bereich nichts zu sparen gibt. Die Betreuung behinderter Menschen ist eine Notwendigkeit, quasi ein Naturgesetz".

Reden von Petra Spätling-Fichtner vom Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung, Johannes Geiger, der Geschäftsführer einer Werkstatt in Schweden ist und über dortige Praxis berichtete, Achim Wegner, selbst geistig behindert und im Bundesvorstand der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Bernd Finke, Geschäftsführer BAG der überörtlichen Träger der Sozialhilfe Münster sowie Vertreter aus verschiedenen Bundesländern, waren zu hören.msn

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