Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 28. Juni 2005

Wie wichtig ist Gesundheit?

Bürgerschaft beschäftigt sich mit richtiger Ernährung an Lübecker Schulen

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Till (2) und Tessa Aul (5) lernen schon im frühesten Kindesalter, was richtige Ernährung heißt. ; Foto: M. S. Niemann

Hier ein Riegel, dort ein Eis und eine kalte Cola hinterher - so sieht leider vielerorts die Ernährung deutscher Kinder und Jugendlicher aus. Am Beispiel ihrer Eltern, die zugegebenermaßen oft ein schlechtes Vorbild abgeben, lernen schon die Kleinsten, wie sie sich ungesund ernähren. In den vergangenen Jahren stiegen die Hiobsbotschaften steigender Zahlen übergewichtiger Kinder und Jugendlicher. Verschiedene Projekte wurden und werden ins Leben gerufen, um dem Einhalt zu gebieten.

Die SPD-Fraktion der Lübecker Bürgerschaft beantragte in der Bürgerschaftssitzung vergangenen Donnerstag, dass an Lübecker Schulen, Krippen, Kitas und Horten mit Mittagstisch gesunde Kost gereicht wird, in den Schulpausen sowie an Schul-Automaten keine Süßigkeiten und zuckerreichen Getränke verkauft werden sondern gesunde Zwischenmahlzeiten und Getränke. Angebote sollten entwickelt werden, die die Bewegungsfreude der Kinder fördern. Auch sollte das Werben von Sponsoren für bedenkliche Lebensmittel an Schulen eingestellt werden. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen schloss sich dem Antrag an und ergänzte ihn dadurch, Produkte ohne ausbeuterische Kinderarbeit an Schulen anzubieten und Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern und dem Gesundheitsausschuss zu fördern, um sich über Erfolge und Möglichkeiten auszutauschen.

Ulrike Siebdrat (SPD) bekräftigte den Antrag mit der Tatsache, dass 15 Prozent deutscher Kinder übergewichtig seien, sechs Prozent davon krankhaft.

Ingrid Schatz von der CDU-Fraktion meinte, dass es "genug gesunde Ernährung für Lübecker Kinder gibt" und hier kein weiterer Handlungsbedarf bestehe.

"Es gibt viele ernährungsbedingte Krankheiten", hielt Gabriele Schopenhauer (SPD) dagegen. Schon ein Drittel "kleinster Schüler" klage über Kopfschmerzen, die auf falsche Ernährung zurückzuführen seien. Susanne Hilbricht von den Grünen befürwortete den Antrag, um "keine Verschlimmerung für den nächsten Lübecker Gesundheitsbericht" in Kauf nehmen zu müssen. CDU-Chef Klaus Puschaddel verwarf den Antrag als "Showantrag": "Ich stehe natürlich für eine gesunde Ernährung, doch es gibt bereits genug Angebote". Die Anträge von SPD und Bündnis 90/Die Grünen wurden mehrheitlich abgelehnt.

Für gesunde Ernährung macht sich Michael Hamschmidt, Chef des Lübecker Gesundheitsamtes stark. "Der Gesundheitsbericht 2004 beweist, dass Lübecker Kinder eindeutig zu übergewichtig sind", so Hamschmidt. Deutlich sei hier zu sehen, dass gerade sozial schwächer gestellte Kinder stark von Übergewicht betroffen seien als "besser gestellte". Er verwies auf das EU-Projekt Interreg III A, dass seit 2003 bis zum Jahr 2006 an drei Grundschulen der Hansestadt praktiziert wird, um die Schüler für richtige Ernährung zu sensibilisieren. "Ein Wunsch von mir ist, für alle Schulen so ein Projekt zu initiieren", erkärt der Leiter des Gesundheitsamtes. "Klasse 2000" ist so eines. Würde dieses bundesweite Projekt in Lübeck starten können, wären ab dem Schuljahr 2006/2007 Erstklässler für vier Jahre in einem Programm, in dem richtige Ernährung, ausreichend Bewegung und eine gesunde Körperwahrnehmung im Vordergrund stünden. "Wenn alles klappt, starten wir das Projekt gemeinsam mit der Universität zu Lübeck", verrät Hamschmidt. msn

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