Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 02. August 2005

Leben wie im Mittelalter

Zeitversetzt und handgemacht: Eine Woche auf dem Bauspielplatz Roter Hahn

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Johachim von Kummerow zeigt, wie ein Bronzemesser geschmiedet wird. Er orientiert sich dabei an einer Originalvorlage, gesehen im Museum.; Foto: M. S. Niemann

Im Lehmbackofen "gedeiht" ein leckerer Apfelkuchen, im Feuer schmiedet Joachim von Kummerow ein Bronzemesser nach Originalvorgaben aus der Bronzezeit, Frauen in mittelalterlicher Kleidung sticken und nähen wärmende Gewänder für die kalte Jahreszeit und "ganz nebenbei" trocknen Kräuter und Gewürze, die im Winter das Essen schmackhaft machen werden. Auch ein "Gugel" - eine Kopf- und Schulterbedeckung aus Filz - wurde zum Trocknen der frischen Luft ausgesetzt. Die 27-jährige Alexandra Wolf zeigt Hanna Tietz (13) die Bändchen-Weberei. Die Bändchen, auch Brettchen genannt, sind Schmuck und Verstärkung für die Kleidung.

Rund 25 Fans des Lebens vor 1.000 bis 1.500 Jahren aus ganz Deutschland verlebten vergangene Woche ihren Urlaub ganz im mittelalterlichen Sinne auf dem Kücknitzer Bauspielplatz "Roter Hahn". Familien, sonst wohl ausgestattet mit bürgerlichen Wohnungsutensilien, verbrachten ihre Tage in Lehmhütten mit Ziegenfell-Schlafstatt und Original-Mittelalter-Zelten.

"Für meine Familie bedeuten diese Tage Urlaub vom Alltag", so der Lübecker Sønke Baum, im "richtigen" Leben Altenpfleger. Mit Frau Isa, Wirtschaftsingeneurin von Beruf, und den Töchtern Swantje und Levke pflegt er das gemeinsame Hobby aus Überzeugung, stammt er doch aus einer Friesenfamilie.

Anstatt faul am Strand zu liegen leben die Mittelalter-Fans wie ihre frühen Vorfahren: Das Essen und Trinken wird selbst zubereitet, die aus Leinen, Wolle und Wildseide bestehende Kleidung an ihnen ist selbst gefertigt. So wie es die Lübeckerin Karin Loos und Silke Diwo aus dem Saarland gerade vormachen: Die beiden nähen Untergewänder für den Herbst.

"Schön ist es hier zu sein, entspannt und mit netten Leuten", ist Silke Diwo begeistert. Die 45-jährige genießt ihren Aufenthalt. "Ich habe nur Gutes vom Bauspielplatz gehört und war neugierig. Und natürlich treffe ich meine Freunde hier wieder". Auch für Jörn Puhle, Mitarbeiter des Bauspielplatzes, ist die mittelalterliche Nutzung etwas ganz Besonderes: "Es ist schön, den Platz so frühgeschichtlich zu beleben". Geschichte stehe im Vordergrund des Platzes, auch sei er mittlerweile zu einem beliebten Stadtteil-Treffpunkt geworden, wo Generationen aufeinander treffen.

Nachdem die Mittelalter-Fans nach Oldenburg weitergezogen sind, um das dortige "Slawenland" zum Leben zu erwecken, steigt am 6. August auf dem Platz das Sommerfest von 14 bis 18 Uhr. Auch hier wird es viel Mittelalterliches und Rustikales geben: Schmieden, Axt-Weitwurf, alte Handwerks-Künste, Essen vom Grill, Bogenschießen, Ponyreiten und vieles mehr. msn

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