Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. April 2019

Ausgabe vom 09. Juni 1998

Auf dem beschwerlichen Weg zur Umkehr

26 Haushalte nehmen an der Agenda 21-Aktion teil - Gesünder, umweltbewußter und kostengünstiger leben

0280302.gif
Auftakt in Kiel mit Umweltminister Rainder Steenblock (am Pult)

"Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als ich! Wie oft wurde oder ist dieser Vorsatz Antrieb für viele Überstunden, die Eltern machen, um zu mehr Wohlstand, das heißt mehr privatem Besitz, zu gelangen. Doch wie oft reicht nun die Zeit nicht, um die Dinge zu genießen, die man sich jetzt leisten kann." Der "Grüne Faden", den die Teilnehmer der Aktion "Agenda 21: Schleswig-Holsteiner Haushalte machen mit", während der Auftaktveranstaltung vor wenigen Tagen in Kiel erhalten haben, spricht eine deutliche Sprache. Anders scheint es wohl nicht zu gehen, wenn man Menschen zur Umkehr, zum Umdenken bewegen will. 26 Haushalte in Lübeck und weitere Teilnehmer aus den Städten Kiel, Eutin und Elmshorn, aus dem Kreis Plön sowie den Inseln Föhr und Fehmarn wollen in den nächsten sechs Monaten diesen Schritt wagen.

Sie wollen herausfinden, wie man den Alltag gesünder, umweltbewußter und kostengünstiger gestalten kann. Schwerpunkte bilden dabei fünf typische Handlungsfelder im Haushalt:Ener gie und Wasser, Abfall, Ernährung, Mobilität sowie Kleidung. Vor Ort organisierte Ausflüge und Treffen dienen dabei dem Informations- und Erfahrungsaustausch.

Ziele selbst stecken

"Die Teilnehmer sollten sich noch nicht so intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben", erläutert Horst Hesse vom Info-Zentrum "Eine Welt" in Lübeck ein Auswahlkriterium. Geachtet wurde ferner auf unterschiedliche Haushaltsstrukturen (von Single bis Großfamilie), dem Wohnumfeld (von Mietwohnung bis Einfamilienhaus) und auf eine breite Altersstruktur der insgesamt 34 Personen.

Gemeinsam mit Dr. Olga Koop, Bereich Umweltschutz, Ralf Giercke vom Lübecker Agenda-Büro und Marion Barsuhn vom Info-Zentrum betreut Hesse die Teilnehmer in den kommenden Monaten. "Wir wollen sensibilisieren für die Möglichkeiten, das Verhalten zu verändern", umschreibt Hesse die Funktion der Betreuer. "Deshalb soll sich jeder Haushalt selbst ein Ziel setzen."

Dabei könne es geschehen, daß ein selbstgestecktes Ziel nicht erreicht wird. Auch das sei eine Erfahrung, die dazugehört. "Barrieren sollen benannt werden - ob sie nur im Kopf existieren oder real sind", so Hesse.

Ein paar Beispiele sind im "Grünen Faden" aufgeführt. Um Abfall zu vermeiden sollten die Dinge des täglichen Bedarfs möglichst unverpackt oder in Mehrwegverpackungen gekauft werden; man sollte nur noch fair gehandelten Kaffee trinken ("Transfair"), und wenn möglich aus biologischem Anbau; mit Blick auf Energiesparmaßnahmen sollten alle elektrischen Geräte bei Nichtgebrauch ausgeschaltet werden. Empfohlen wird auch, verstärkt Secondhand-Geschäfte zu nutzen. "In der Realität führt immer mehr materieller Konsum zu wachsenden Umweltbelastungen, welche wiederum die Lebensqualität einschränken", heißt es in dem "Grünen Faden".

Ein neues Wohlstandsverständnis wurde 1992 in Rio de Janeiro auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung formuliert: die "nachhaltige Entwicklung". 178 Staaten haben diese sogenannte Agenda 21 vereinbart. Agenda bedeutet im übertragenen Sinne: "Das, was zu tun ist". Agenda 21 beschreibt demzufolge ein Aktionsprogramm zum "dringend notwendigen Schutz der Erde für uns und unsere nachfolgenden Generationen", heißt es in dem Faltblatt des Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten zur "Haushalts"-Aktion.

Viele Projektpartner

Durch die Unterzeichnung der Erklärung von Rio hat sich auch die Bundesrepublik verpflichtet, die zukunftsfähige Entwicklung zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen, Landesregierungen, Initiativen, Wirtschaftsverbänden und -interessenvertretungen sowie Umweltverbänden umzusetzen.

Darauf basiert die "Haushalts"-Aktion der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Projektträger sind neben dem Kieler Umweltministerium die beteiligten Städte und Kreise sowie der BUND-Landesverband für die Inseln Föhr und Fehmarn.

Weitere Projektpartner sind das Bündnis entwicklungspolitischer Initiativen (B.E.I.) in Schleswig-Holstein, das Info-Zentrum "Eine Welt" Lübeck, das Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre der Universität Kiel, der Landesverband der Umweltberatung, die Nordelbische Kirche, Umwelt-Transfer und die Gesellschaft für Marketing und Kommunikation.

Wissenschaftliche Auswertung

In Lübeck werden die vier Betreuer in ihrer Arbeit unterstützt von den Stadtwerken Lübeck, dem Info-Zentrum "Eine Welt", dem Verein Landwege zusammen mit der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft (EVG)Landwege, der Stattauto Genossenschaft Lübeck sowie Weltladen Lübeck.

Die Teilnehmer werden in den kommenden sechs Monaten nicht nur ausführlich über die aufgeführten Themen informiert und beraten; sie bekommen auch zu jedem Thema einen umfangreichen Fragenkatalog, den sie beantworten müssen. Diese Antworten werden - unter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien - in Kiel wissenschaftlich ausgewertet. Man erhofft sich, aus den Aussagen konkrete Forderungen formulieren zu können, beispielsweise an die Politik, um so den Agenda 21- Gedanken vor Ort noch besser als bisher umsetzen zu können.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de