Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 26. Mai 2019

Ausgabe vom 22. November 2005

Sex & Prävention "JugendFilmTage" in Lübeck

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Timo Neumann (li.) und Marco Laaser vom VfB Lübeck waren bereitwillig Paten der Aktion. Ferris-Lina Tödtmann (14) versucht ihr Glück am Glücksrad.

Zwei Tage lang drehte sich vergangene Woche bei Lübecks Schülerinnen und Schülern ab der achten Klasse alles um Sex, Liebe, Freundschaft und AIDS. Sie schauten sich Filme wie "Sommersturm", "Fickende Fische", "Kick it like Beckham" oder "Crazy" an, und konnten sich in den insgesamt sechs Filmen alltägliche Szenen und Probleme des jugendlichen Lebens und des Erwachsenwerdens wieder finden.

Lübeck war die Eröffnungsstadt der "JugendFilmTage", die in weiteren 13 Städten Schleswig-Holsteins auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bis April 2006 je für zwei Tage Station machen. Ziel dieser Veranstaltung ist Prävention und Aufklärung. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen übernahm die Schirmherrschaft, der VfB Lübeck die Patenschaft.

Ein Zufall, dass der Termin so knapp nach den Nordischen Filmtagen fiel, war es nicht: "Wir dachten uns, nach den Filmtagen und vor dem Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember ist ein klasse Zeitpunkt für die `JugendFilmTage'", so Gaby Rüger von pro familia. Diese Einrichtung sowie das Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre sowie die Lübecker AIDS-Hilfe waren die Organisatoren der Aktion. "Über das Interesse an den Filmtagen sind wir sehr überrascht", sagt Rüger weiter. Mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler hätten sich angemeldet, ursprünglich angedacht war die Hälfte dieser Zahl. Aus sechs Veranstaltungen wurden zwölf Veranstaltungen.

Und es wurden nicht nur Filme angeschaut, in der Vorhalle des CineStar Filmpalast herrschte reges Treiben. An zwölf Ständen konnten die Kids bei Mitmach-Aktionen ihr Wissen rund um die Liebe, Sex und Krankheiten testen, sich informieren lassen und die Angebote der Aussteller Organisationen wie biff, Caritas, Diakonie, Frauennotruf, Limone und Humanistische Union spielend begreifen. Die zwei VfB-Spieler Timo Neumann und Marco Laaser beantworteten am pro familia-Stand gern Fragen und gaben Autogramme. "Ich bin beeindruckt von dem Engagement der Organisatoren und der Offenheit der Jugendlichen den Themen Liebe, Sex und AIDS gegenüber", so Neumann.

Hartmut Evermann von der Lübecker AIDS-Hilfe findet, dass immer noch zu wenig über AIDS gesprochen werde: "Die Krankheit ist nach wie vor ein Tabu-Thema in Familien und Schulen". Bärbel Pfanne von der "Röhre" sagt: "Es gibt einen grundlegenden Bedarf über die Liebe zu sprechen". Dass viele Jugendliche wie Erwachsene wüssten, wie mit Kondomen umzugehen sei, sie aber nicht benützen, erklärt Gaby Rüger. "Auch darauf sind die steigenden Zahlen der Infektionen mit HIV, Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten zurückzuführen". Evermann führt aus: "Gegenüber dem Zeitraum 2003/2004 sind die HIV-Infektionen in 2004/2005 um 20 Prozent deutschlandweit gestiegen". Zum Vergleich:In Afrika beträgt die Steigerungsrate von Neuinfektionen zehn Prozent.

Es ist also immer noch Zeit, etwas zu tun. Für Aufklärung und Prävention. "Schade nur, dass die Gelder für unsere Arbeit kontinuierlich gekürzt werden", so Evermann. msn

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