Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 24. Juni 2019

Ausgabe vom 09. Juni 1998

Es war ein Mönch

Franziskaner Autor von "Reynke de Vos"

Der Autor des Lübecker "Reynke de Vos" war ein Franziskanermönch. Die Teilnehmer der Pfingsttagung des Hansischen Geschichtsvereins und des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung (VNS) sind sich sicher. "Die sozialethische Ausrichtung spricht eindeutig dafür", sagte Professor Dr. Hubertus Menke zum Abschluß der Tagung vergangene Woche. Gemeinsam mit rund 200 Teilnehmern aus der ganzen Welt hat der Vorsitzende des VNS die Verfasserfrage anhand neuester Forschungsergebnisse ausgiebig diskutiert.

Im Gegensatz zu der aus den Niederlanden stammenden Ursprungserzählung sei der Lübecker "Reynke de Vos" gänzlich umgedeutet worden - "in volksmissionarischer Absicht", so Menke. Der Einsatz für die Armen und Entrechteten sei unübersehbar - und gerade dies sei das Merkmal der Franziskaner gewesen. "Reynke de Vos" passe mit dieser inhaltlichen Ausrichtung im übrigen vollends in die Literatur dieser Zeit.

Neben der Diskussion um "Reynke de Vos" beschäftigten sich die Teilnehmer mit den niederdeutschen Großlandschaftswörterbüchern sowie mit der Geschichte der Hanse und des Ostseeraumes.

Erfreut wurde von der Versammlung zur Kenntnis genommen, daß die niederdeutsche Sprache in wenigen Tagen in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen wird. Dies wurde durch einen entsprechenden Beschluß im Bundestag und im Bundesrat ermöglicht. "Damit hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die Sprache auf vielfältige Weise zu schützen und zu fördern", freut sich Menke.

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