Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 17. November 2018

Ausgabe vom 06. Dezember 2005

PolyVinylChlorid I, Herstellung

Bündnis 90 / Die Grünen

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Autor: Volker Koß

V.i.S.d.P.: Carl Howe

"Umweltschutz hin oder her, das Zeug ist unzerbrechlich," antwortete mir ein Chemielehrer. Ich hatte kritisiert, dass er für Schülerversuche PVC-Geräte gekauft hatte. Am selben Nachmittag kippte die Lübecker Bürgerschaft den 13 Jahre alten Grundsatzbeschluss, keine PVC-haltigen Materialien im Hochbau einzusetzen.

Fenster aus PVC - formstabil, wartungsarm und billig. Was haben die GRÜNEN bloß gegen diesen praktischen Kunststoff? In der Nutzungsphase ist gegen PVC wenig einzuwenden. Doch bei der Herstellung, der Entsorgung und bei Bränden ist PVC ein Problemstoff.

1913 erhielt Fritz Klatte das Patent auf die Polymerisation von Vinylchlorid. Seit 1942 stellte die IG Farben PVC (Igelit) großtechnisch aus Vinylchlorid her. Es wurde zu Rohren, Regenschutzfolien, Schuhsohlen, Schutzmasken und Kabelummantelungen verarbeitet. Im Zweiten Weltkrieg wurden verschiedene Igelit-Vergiftungen bekannt.

Heute ist PVC nach Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) weltweit der drittwichtigste Kunststoff. 10% der Weltproduktion stammen aus Deutschland. Hier gehen 70% der PVC-Produktion in den Bausektor.

Vinylchlorid ist der wichtigste Stoff der Chlorchemie. Über 90% der Vinylchlorid-Produktion werden zu PVC weiterverarbeitet. Vinylchlorid erregt erwiesenermaßen beim Menschen Leberkrebs. Der Stoff wird vom Bundesminister für Arbeit eindeutig als krebserregend eingestuft (MAK-Liste). Die Vinylchlorid-Krankheit mit Schäden an Magen, Speiseröhre, Haut, Skelett und arterieller Durchblutung ist seit den 70er Jahren erkannt. Verzichten wir auf PVC, wird Vinylchlorid großtechnisch nicht mehr hergestellt werden. Die Herstellung von PE und PP gilt als gesundheitlich unbedenklich.

Doch der Chemielehrer ist rehabilitiert. Die von ihm gekauften Geräte gibt es nur aus PVC - oder Glas.

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