Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 13. Dezember 2005

PolyVinylChlorid II, Entsorgung

Bündnis 90 / Die Grünen

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Autor: Volker Koß

V.i.S.d.P.: Carl Howe

Im September kippte die CDU gegen die Stimmen der GRÜNEN und der SPD den 13 Jahre alten Grundsatzbeschluss, in Lübeck im Hochbau keine PVC-haltigen Materialien einzusetzen.

Der Grundsatzbeschluss war und ist gerechtfertigt; denn die Entsorgung von PVC ist schwierig. Heute werden nur 2% des anfallenden PVCs stofflich recycelt. Recyceltes PVC ist minderwertig. So werden aus Fensterrahmen beispielsweise Parkbänke.

Bei der Verbrennung von PVC entstehen Dioxine und Salzsäure. Bis zum Verbot in den 80er Jahren wurde PVC deshalb auf speziellen Verbrennungsschiffen auf offener See verbrannt. Für Dioxin ("Sevesogift") gelten seit 1990 strenge Grenzwerte. Die entstehende Salzsäure erfordert besondere Ofenmaterialien. PVC kann nur in modernen, speziellen und teuren Verbrennungsanlagen mit hohem Aufwand verbrannt werden..

Und wenn das Gebäude brennt? Angekohltes PVC erzeugt pro Gramm 10 Millionen mal mehr Dioxin, als ein Liter Luft aus einer Müllverbrennungsanlage enthält. Bei einem Schwelbrand wird die Beseitigung des dioxinhaltigen Brandrußes teurer als der übrige Brandschaden.

Im Gegensatz zu PVC lassen sich die konkurrierenden Materialien Polyethylen, Polypropylen und Holz problemlos verbrennen oder recyceln. Doch PVC ist billiger, denn es enthält 56% Chlor. Chlor entsteht zwangsläufig bei der elektrolytischen Natronlaugeherstellung - ursprünglich als unerwünschtes Produkt.

Ich verstehe, dass manche Bürgerschaftsmitglieder komplexe ökologische Zusammenhänge nicht durchschauen. Doch warum stimmte die CDU gegen die Empfehlung ihres eigenen Umweltsenators und den Sachverstand seines Hauses?

PVC im Hochbau einzusetzen, mag für Lübeck kurzfristig billiger sein - doch kaufen Sie ein billiges Auto, das durch alle Crash-Tests gefallen ist?

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