Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 24. Juni 2019

Ausgabe vom 09. Juni 1998

Scheitert der Traum an 300 000 Mark?

Drei junge Lübecker wollen Bauspielplatz in Kücknitz errichten - Konzept findet Anerkennung

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Vorbild für Kücknitz: der Bauspielplatz Buntekuh; Fotos (2): T. Wewer

Am Anfang war der Traum: Tanja Benthien, Jörn Puhle und Frank Thomas möchten am Pommernring im Stadtteil Kücknitz einen Bauspielplatz errichten. Das ausgesuchte Gelände, ein ehemaliger Spielplatz mit dazugehörigem Bolzplatz, grenzt an seiner westlichen Seite an den Stadtbezirk Roter Hahn, östlich direkt an das Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer. "Ein idealer Platz", befanden die drei Lübecker - und entwarfen innerhalb von drei Monaten eine Konzeption. Kein Problem für die gelernte Erzieherin Benthin, ihren Berufskollegen Puhle und den Studenten Thomas, denn alle drei haben einschlägige Erfahrungen, zum Beispiel auf dem Bauspielplatz Buntekuh, der mittlerweile seit rund 20 Jahren besteht - bisher als einziger in der Hansestadt. Anfang des Jahres stellten sie ihre Idee erstmals in Kücknitz vor. "Das Echo war durchweg positiv", so Puhle.

Fundierte Analyse

Das Konzept ist bestechend; es analysiert die wenigen (sinnvollen) Freizeitmöglichkeiten von Großstadtkindern schonungslos und führt fachlich fundiert die Notwendigkeit vor Augen, gerade für diese Kinder und Jugendlichen etwas zu schaffen - zum Beispiel einen Bauspielplatz. Und da sei Kücknitz gerade der richtige Standort, weil trotz hoher Kinderzahl die Freizeitangebote speziell für die Sechs- bis 14jährigen sehr gering seien.

Auf dem Bauspielplatz können die Nutzer natürliche Erfahrungen mit Erde, Feuer,Wasser, Pflanzen oder Tieren machen, ihrem Bewegungsdrang nachkommen, ihre Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten entwickeln und im Umgang mit den anderen auch soziales Verhalten lernen.

Mit ihrer Idee laufen die drei bisher überall offene Türen ein, betonen sie: beim Runden Tisch "Miteinander ohne Zoff" in Kücknitz, bei Vereinen und Institutionen, bei den Schulen im Stadtteil und auch bei den Parteien und Bürgerschaftsmitgliedern.

Eigentlich könnte dieser Traum also längst Wirklichkeit sein. Woran es wie so oft hapert, ist das Geld. "Voraussetzung für eine kontinuierliche Arbeit sind fest angestellte Mitarbeiter", betont Puhle. Rund 300 000 Mark Personalkosten im Jahr würden da in etwa zusammenkommen, haben die drei Pädagogen ausgerechnet. Dafür müßte die Stadt Lübeck aufkommen. Die hat aber kein Geld für neue Stellen; grundsätzlich jedoch stehe man dem Projekt positiv gegenüber, wurde den dreien im Rathaus versichert.

Jetzt ist guter (Finanzierungs-)rat teuer; denn für die Ausstattung des Platzes, da sind sich Puhle, Benthien und Thomas einig, werden sie schon Sponsoren aus der privaten Wirtschaft gewinnen oder Gelder von Stiftungen erhalten.

Aber auch wenn die wesentliche Voraussetzung, die kontinuierliche Betreuung durch festangestellte Mitarbeiter, zur Zeit eine schier unüberwindliche Hürde darstellt, lassen sich die drei nicht entmutigen.

Rund 80 Kinder täglich

Sie haben Kontakte zu den Senatorinnen und Senatoren hergestellt, sprechen in Baumärkten wegen des Holzes vor und verteilen ihre Konzeption an Interessenten. "Wir wollen damit auch zeigen, daß wir bereit sind, uns für diese Idee zu engagieren", so Puhle.

Am kommenden Sonnabend, 13. Juni, werden sie sich beim Stadtteilfest in Kücknitz vorstellen - im neuen Bürgerpark im Roten Hahn. Hier können die potentiellen Nutzer eines Bauspielplatzes erste Bauversuche machen.

"Rund 80 Kinder und Jugendliche nutzen einen solchen Bauspielplatz täglich", ist die Erfahrung von Tanja Ben-thien, die den Bauspielplatz Hexenberg in Hamburg geleitet hat. Das sei kein Wunder, weil die Konzeption des Spielplatzes eine Nutzung im Sommer wie im Winter vorsieht. Wenn das Wetter schlechter und der Aufenthalt auf dem Außengelände ungemütlich wird, können sich die Besucherinnen und Besucher im großen Haus mit Gesellschaftsspielen die Zeit vertreiben, gemeinsam kochen oder malen.

Das erklärte Ziel ist, den Bauspielplatz in Kücknitz im kommenden Frühjahr zu eröffnen. Aber selbst wer so wirklichkeitsbezogen an die Verwirklichung eines Traumes herangeht wie die drei Pädagogen, braucht gelegentlich Hilfe - irdische.

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