Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 09. Juni 1998

Auf Situation der Schwulen und Lesben aufmerksam machen

Von Rolf Klinkel

Bündnis 90 / Die Grünen

Im Juni begehen Lesben und Schwule in Lübeck und auf der ganzen Welt den "Christopher Street Day".

Er erinnert an die Entstehung der neueren lesbischen und schwulen Bürgerrechtsbewegung im Jahre 1969. In Schleswig-Holstein finden (beziehungsweise fanden) vom 5. bis zum 13. Juni zahlreiche Veranstaltungen statt, mit denen lesbische Bürgerinnen und schwule Bürger für die Gleichberechtigung in der Gesellschaft antreten.

Die Grünen haben den "Christopher Street Day" zum Anlaß genommen, auf die Situation der Lesben und Schwulen in Lübeck aufmerksam zu machen und in der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag, 28. Mai, die StadtparlamentarierInnen aufgefordert, folgendem Antrag zuzustimmen:

"In den letzten Jahren haben sich immer mehr Lesben und Schwule selbstbewußt Anerkennung erkämpft.

Vollständige Gleichberechtigung und umfassende gesellschaftliche Akzeptanz sind aber noch nicht erreicht.

Ziel von Hetze

Für lesbische Frauen und schwule Männer ist es nicht selbstverständlich im Alltag, im Beruf oder in der Politik frei und offen auftreten zu können. Lesben und Schwule sind Ziel minderheitenfeindlicher Hetze oder gewalttätiger Übergriffe. Dieser Gewalt muß entschieden begegnet werden.

Die Lübecker Bürgerschaft wendet sich gegen jede Diskriminierung von Lesben und Schwulen.

Die Rechte von Schwulen und Lesben sind Teil der allgemeinen bürgerlichen und sozialen Menschenrechte. Bestehenden Vorurteile muß aktiv entgegengewirkt werden.

Die Bürgerschaft appelliert an alle EinwohnerInnen der Hansestadt Lübeck, sich für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen einzusetzen und fordert den Bürgermeister auf, dafür zu sorgen, anläßlich der ,Christopher-Street-Day' - Feierlichkeiten vom 5. bis 13. Juni das Rathaus mit einer Regenbogenfahne zu beflaggen."

Erbitterter Widerstand

Dieser Antrag stieß auf den erbitterten Widerstand der anderen Bürgerschaftsfraktionen.

Die SPD wollte keine "Gesinnungstextilie" der schwul-lesbischen Bewegung vor dem Lübecker Rathaus hissen lassen, und die CDU war sowieso gegen ein weithin sichtbares Symbol der Solidarität der Hansestadt mit Lesben und Schwulen.

Gemeinsam lehnten SPD und CDU die Resolution und den Antrag ab.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

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