Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 17. November 2018

Ausgabe vom 05. September 2006

Enver Duman-System: Denken und bewegen

Taekwondo als Lebensphilosophie und Sport

Kampfsport als Lebensphilosophie? Kaum zu verstehen, verfällt man die Vorurteilen oder einem Halbwissen um diese Sportart, die den Begriff "Kampf" in den Vordergrund aller Ziele zu stellen scheint. Zumal dazu im weiteren Vorurteil meditierende Jünger männlichen wie weiblichen Geschlechts den asiatischen Touch geben, der dies alles für den "Outsider" mystisch verwischt. Kein Grund jedoch, diesen Oberflächlichkeiten zu verfallen, wenn es gelingt, sich Taekwondo aus völlig neutraler Sicht zu nähern. Selbstverständlich ist dies ein durchaus moderner Sport, der aus historischer Zeit übernommene Kampf, aber auch Tugenden vermittelt, die davor besagte Lebensphilosophie stellt. Eine Sportart, die nicht vordergründig nur Spaß machen soll, sondern die der Gesundheit und der Seele gut tun will. Dies mit eben verschiedenen Systemen, wobei jeder Trainer oftmals seine grundverschiedene Art hat, dieses zu verwirklichen. Für Enver Duman, der kürzlich sein Taekwondo - Zentrum nach vielen Jahren erfolgreicher Arbeit auf Fehmarn und großer sportlicher Karriere nach Lübeck in den Heiligen - Geist - Kamp/Ecke Am Waldsaum 2 verlegt hat, ein einfacher Grund: "Ich liebe meine Schüler und war sehr traurig, sie aus den unterschiedlichsten Gründen auf Fehmarn immer wieder zu verlieren. Hier in Lübeck, der Hansestadt, die ich sehr schätze, hoffe ich, dass das anders wird. Ich möchte einfach länger ihre Gemeinschaft!" Dabei ist bemerkenswert, dass Enver Duman, der wohl mit berechtigtem Stolz seine neuen, blitzsauberen Räumlichkeiten vorstellt, nicht in erster Linie kommerziell denkt. Denn sein Zentrum auf Fehmarn war gut frequentiert, und seine persönlichen wie die Erfolge seiner Schülerinnen und Schüler ließen diese dessen Absichten zunächst glauben. Da fiel der Abschied letztlich beiderseits doch recht schwer. 1974 hatte Enver Duman die erste Begegnung mit Taekwondo, schon 1977 war er Deutscher Jugendmeister, 1978 Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft, 1979 trug er den 1. Dan Schwarzgürtel, war er erstmals Deutscher Meister und eröffnete 1984 sein Taekwondo - Zentrum in Burg auf Fehmarn. Viele Schülerinnen und Schüler sind seitdem deutsche und auch internationale Meisterinnen und Meister geworden. Er bestand längst die 4. Dan Prüfung in New York, ist Ehrenmitglied des größten Taekwondo - Verbandes in Korea und wurde vom koreanischen Taekwondo - Präsidenten ausgezeichnet. Er liest die Philosophen von Weltgeltung, durchdenkt ihre Aphorismen und verinnerlicht deren Gedanken. Der größte lebende Dichter der Türkei Fazil Hüsnü Dalarca zählt zu seinen engsten Freunden. Deutschland ist für den in der Türkei Geborenen längst eine neue Heimat geworden, auf die er zudem sehr stolz ist. Was jedoch ist bei ihm anders, als vielleicht in vergleichbaren Sportzentren dieser Art? Vielleicht, das Denken in den Vordergrund seiner Philosophie um Taekwondo zu stellen und im eigenem System erst dann das "sportliche Bewegen" folgen zu lassen. Zahlreiche Weisheiten der Philosophen lassen sich zwischen Urkunden nahe ähnlich vieler Pokale lesen. Diese haben ihn geprägt; dazu ist er selbst mit eigenen Gedanken durchaus zu solchem geworden. Sein System vermittelt Bewegung von Körper und Geist, Denken und Bewegen, Kultur und Natur, die Begegnung mit sich selbst und offen sein gegenüber Neuem. Dabei ist es für ihn wichtig, bei sich stetig selbst zu beginnen und die Balance zwischen Körper, Geist und Seele im Gleichklang zu halten. Ein gesunder Geist kann auf Weisheit ebenso wenig verzichten, wie ein gesunder Körper auf Nahrung und bewusste Bewegung oder die Seele auf Liebe. Liebe, die er auch in seiner Frau Katharina gefunden hat, die ebenso wie er bemerkenswerte sportliche Erfolge daraus erreicht hat und mit ihm das Zentrum leitet. Seine angenehme Bescheidenheit spiegelt sich in seiner brandneuen Broschüre wieder, die über alles Auskunft gibt - nur nicht über die Kosten der Mitgliedschaft oder auch des kostenlosen "Probetrainings". Das scheint ihm eher nachrangig. Demgegenüber erklärt er kategorisch, nur Schülerinnen und Schüler aufnehmen zu wollen, die mindestens zwei Mal in der Woche sein Zentrum aufsuchen. Sonst gäbe das einfach keinen Sinn. Was zum Beispiel sagt Marcus Niendorf von der Löwen-Apotheke als einer der ersten Lübecker Schüler dazu: "Ich habe bereits als Student Taekwondo betrieben, erinnere mich an eher militärisches Training. Merkwürdig, dass ich nun - mit 40 Jahren - das Bedürfnis hatte, gerade jetzt wieder damit zu beginnen. Was ich dadurch bei Enver Duman und seiner Philosophie gefunden habe, ist etwas unglaublich anderes. Hier muss ich mich nicht sportlich mit 20jährigen auseinander setzen, hier "passt" es für mich total. Mich überzeugt die ungekünstelte Freundlichkeit, die Warmherzigkeit, seine liebenswerte Philosophie, die mich auf den durchaus choreographisch gestalteten Sport vorbereitet und wohltuend fordert. Großartig auch seine Dehnübungen, nach denen ich trotz langer Jahre ohne sportliche Betätigung praktisch keinen Muskelkater verspüre. Die sich aufbauende Ausdauer baut meinen Stress ab, macht mich gelenkiger und schneller. Und mein Kopf ist einfach wieder frei!" Ein Mindestalter von sieben Jahren setzt Enver Duman schon voraus, ein Höchstalter jedoch nicht: "Jeder, der es schafft, die Treppen zu mir herauf und auch hinunter zu steigen, ist willkommen!" Geöffnet Montag bis Freitag von 8.30 bis 11.30 und 16 bis 21.30 Uhr, Sonnabend bis 11.30 Uhr. Jeder kann in diesem Rahmen jederzeit kommen. Es gibt keine Verpflichtung hinsichtlich einer Vertragsdauer, nur den monatlichen, überraschend geringen Beitrag. Weitere Informationen gerne auch telefonisch unter der Rufnummer 6130853.RB

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