Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 17. Oktober 2006

Richtfest am Willy-Brandt-Haus

Seit dem Frühjahr wird die ehemalige Stadtbibliothek an der Königstraße saniert

Am 18. Dezember 2007 wäre Willy Brandt 94 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass soll in der Hansestadt Lübeck das Willy-Brandt-Haus eröffnet werden. Seit diesem Frühjahr wird die ehemalige Stadtbücherei an der Königstraße 21 saniert und für die Gedenkstätte mit Ausstellung umgebaut. Gestern feierten der Kuratoriumsvorsitzende der Bundeskanzler- Willy-Brandt-Stiftung Wolfgang Thierse, der älteste Sohn des Politikers Peter Brandt und der Stiefbruder des Sozialdemokraten Günter Kuhlmann das Richtfest für das Haus, in dem die Geschichte des Lübeckers, des Politikers und des Demokraten gezeigt werden soll.

Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, die 1995 gegründet wurde, investiert mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Fördermitteln des Bundes und Unterstützung der Lübecker Possehl-Stiftung 3,46 Millionen Euro in das Projekt, das ursprünglich vom Schriftsteller Günter Grass angeregt wurde.

Das Gebäude wurde erstmals 1286 erwähnt und die historische Bausubstanz bringt viel Arbeit und einige Herausforderungen für die Handwerker mit sich. So sind derzeit fast alle Fußböden geöffnet, um sie neu zu Dämmen, unterschiedliche Putzschichten werden untersucht und altes Mauerwerk stabilisiert. Dabei stehen die Vorgaben des Denkmalschutzes immer im Vordergrund, so dass die historische Struktur des Hauses erhalten bleiben wird.

Nicht historisch, aber wohl doch erhaltenswert sind Malereien im Keller des Hauses, der unter anderem von Schülern des benachbarten Katharineums genutzt wurde. Sie haben sich an den Wänden mit Comic-Zeichnungen verewigt, die nicht übergetüncht werden sollen, wenn das Archiv der Denkmalpflege im Untergeschoss eingerichtet wird.

Die kommende Ausstellung über einen der Nobelpreisträger und Ehrenbürger der Stadt Lübeck wird in verschiedene Schwerpunkte in sieben Räumen aufgeteilt werden. Auf 200 Quadratmetern werden die Besucher viel über die Kindheit in Lübeck erfahren. Willy Brandt wuchs hier in einfachen Verhältnissen im Arbeiterviertel St. Lorenz auf. Ein weiterer Schwerpunkt, der auch die skandinavischen Touristen anziehen wird, ist der Widerstand Brandts gegen das NS-Regime und seine Flucht ins Exil nach Norwegen. Schließlich wird es eine Masse an Filmmaterial über den ersten "Medienkanzler" zu sehen geben. Für die Ausstellung wird ein modernes museums-pädagogisches Begleitprogramm erarbeitet, dass bei den Besuchern das Demokratieverständnis fördern und die zentrale Bedeutung von Grundwerten wie Freiheit, Solidarität, Toleranz und Frieden vermitteln soll. Außerdem sind Vorträge, Seminare und Diskussionen geplant.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1945 hatte Willy Brandt Lübeck nur als Gast besucht. "Wir kamen regelmäßig zu Familienfeiern bei den Großeltern her", berichtet der älteste Sohn Peter Brandt von seinen Tagen in Lübeck. Außerdem habe sein Vater fast jeden Wahlkampf in der Hansestadt beendet, was ein gutes Verhältnis zur früheren Heimat dokumentiert.

Mit dem kommenden Willy-Brandt-Haus, dem seit vier Jahren bestehenden Günter-Grass-Haus und dem Buddenbrookhaus wird Lübeck über drei Gedenkstätten berühmter Bürger verfügen. So ein kulturelles Angebot ist in Norddeutschland bisher einzigartig. mab

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