Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 17. Oktober 2006

Was ist besser für Lübeck: Kreisfreiheit oder Zentrum eines Großkreises?

V.i.S.d.P.: Thomas Schalies

FDP

Am 04.10.2006 hat die Landesregierung ihren Zeitplan für die zuvor überraschend angekündigte Funktional- und Kreisgebietsreform vorgelegt. Danach sollen bereits im Jahr 2010 neue Großkreise entstehen. Die Kommunen des Landes sind aufgefordert, bis zum 30. Juni 2007 eigene Vorschläge für künftige Gebietszuschnitte zu machen. Zwar wird nach den bisherigen Planungen innerhalb des schwarz-roten Regierungsbündnisses Lübecks Kreisfreiheit nicht in Frage gestellt. Trotzdem wäre auch die Hansestadt gut beraten, sehr sorgfältig und nüchtern zu prüfen, ob ein Festhalten an der Kreisfreiheit tatsächlich sinnvoll erscheint. Falsch verstandener Lokalpatriotismus ist hierbei ganz sicher völlig fehl am Platz, wie ein Blick über die Landesgrenzen zeigt. So hatte in Mecklenburg-Vorpommern eine freiwillige Abrede zum Zusammenschluss der Landkreise Güstrow, Bad Doberan und der kreisfreien Hansestadt Rostock (mit ihr als Kreisstadt) in 2002 erst die jetzt bis 2009 beschlossene "große" Kreisgebietsreform ins Rollen gebracht. Dabei sieht die Hansestadt Rostock, die mit ähnlichen Problemen wie Lübeck zu kämpfen hat, offenbar für sich größere Vorteile als künftige Kreisstadt eines Großkreises als an einem Festhalten an der Kreisfreiheit. Ob ein solches Modell auch für Lübeck "unterm Strich" nützlich und z.B. geeignet wäre, deren Zentrumsfunktion nachhaltig zu stärken, kann derzeit niemand verlässlich sagen. Angesichts des engen "Fahrplans" der schleswig-holsteinischen Landesregierung sind Verwaltung und Bürgerschaft aber gefordert, sich über die Vor- und Nachteile einer Kreisfreiheit möglichst schnell Klarheit zu verschaffen. Deshalb haben wir dieses Thema mit einem Prüfantrag auf die Tagesordnung der nächsten Bürgerschaftssitzung setzen lassen.

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