Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 17. Juli 2007

Glanzkonzert in Freude und Wehmut

Junges Kammerorchester Lübeck feierte 25. Geburtstag letzten öffentlichen Auftritt

Ein musikalisches Feuerwerk mit glänzenden solistischen Leistungen erlebten am vorvergangenen Montag die Freunde der Klassik in Lübecks ehrwürdigem Kolosseum: Das "Junge Kammerorchester Lübeck" hatte zum Festkonzert anlässlich seines 25jährigen Bestehens geladen.

Dass neben musikalischen Glanzleistungen auch Wehmut im Saale zu spüren war, lag an der gleichzeitigen Verabschiedung von Britta von der Lippe, die das Orchester verlassen wird. Da sich bislang kein Nachfolger für die Gründerin und Dirigentin des Jugendorchester gefunden hat, wird sich das Orchester, das zur Musikschule am Rosengarten gehört, auflösen müssen.

Die Leistung der 1943 geborenen von der Lippe konnte an dem Abend eindrucksvoll bewundert werden und wurde von allen Festrednern des Abends gewürdigt: Sowohl von Antje Peters-Hirt, der Direktorin der Gemeinnützigen - der Muttergesellschaft des Orchesters - als auch von deren Vorgängerin Renate Menken, die sich als langjährige Weggefährtin sehr bewegt über den Abschied zeigte. Auch Bürgermeister Bernd Saxe, der das über zwei Stunden dauernde Konzert bis zum Verklingen des letzten Tones verfolgte, unterstrich die wertvolle Arbeit der Musikerin.

Azadeh Maghsoodi, 17 Jahre alte Geigerin aus Lübeck, und "angehender Weltstar" (Saxe), der seine Entdeckung und Karriere der Geigenlehrerin Britta von der Lippe verdankt und seit Jahren dem Orchester angehört, zeigte ein von vielen Zuhörern ungläubig aufgenommenes technisches und musikalisches Können: Ihr Solo im Tschaikowsky-Violinkonzert D-Dur Opus 35 riss die Zuschauer im gut gefüllten Kolosseum förmlich aus den Sitzen.

Dass Azadehs Können kein Zufallsprodukt ist und wesentlich von dem jahrelangen, unermüdlichen und ehrgeizigen Engagement ihrer Lehrerin und Dirigentin abhängt, zeigt der Soloauftritt der beiden Bernard-Schwestern Katharina (18) und Johanna (14) im Concerto grosso von Corelli F-Dur, Opus 6 für zwei Soloviolinen, das dem Maghsoodi-Glanzlicht vorausging. Auch diese beiden Geigen-Virtuosinnen verdanken ihre junge Karriere allein Britta von der Lippe.

Ein besonderes Geschenk der Kollegen von der Musikschule Rosengarten überbrachte Schulleiter Gerhard Torlitz mit seinem Flötensolo in einem "Scherzando e Cantabile" des Komponisten Arnold Nevolovitsch. Dies war der einzige Musikbeitrag des Abends, den nicht Britta von der Lippe dirigierte. Dies übernahm der Komponist persönlich. Das Werk, bei dem das Publikum auf erfrischende Weise mit Hilfe von Stampfen und Klatschen mit einbezogen wurde, war eigens zu diesem Anlass komponiert und uraufgeführt worden.

Nach einem langen Abend hatte das Publikum immer noch nicht genug und forderte Zugaben. Dies geschah sicher auch in dem Bewusstsein, dass dieses Orchester, das über ein Vierteljahrhundert lang die Lübecker Musikszene bereichert und auf vielen Konzertreisen in Skandinavien, dem Baltikum, Russland, Polen, Tsche-

chien und USA, sowie in England und Frankreich als Botschafter der Hansestadt fungiert hat, nie mehr in Lübeck zu sehen sein wird. Nach einer letzten Konzertreise im Oktober nach Venedig wird es sich auflösen - ein "Desaster für die Kulturhauptstadt des Nordens", wie nicht wenige Zuschauer bedauerten. me

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