Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 23. Oktober 2007

NFL: Von heiter bis ernst

Neben Komischem wird wieder Nachdenkliches auf den Nordischen Filmtagen gezeigt

Das Jubiläum ist nicht mehr weit - in diesem Jahr werden bereits die 49. Nordischen Filmtage (NFL) vom 31. Oktober bis 4. November in Lübeck veranstaltet. Ein Jahr vor der großen Zahl liegt der Schwerpunkt der Filmtage, die den (Film)Reichtum des der nordischen und baltischen Länder widerspiegeln, bei der "leichteren Kost" - der Heiterkeit. Bereits der Werbetrailer für die NFL lässt den Zuschauer schmunzeln. "Es gibt in diesem Jahr ungewöhnlich viel zu lachen", erklärt Linde Fröhlich, Vorsitzende der künstlerischen Leitung. Doch es soll nicht nur gelacht werden, auch aufwühlende und nachdenklich machende Themen werden auf die Kinoleinwand projiziert. "Es werden große Dramen gezeigt, die sensibel erzählt, mit hervorragenden Schauspielern besetzt und klasse inszeniert sind", so Fröhlich weiter. Rund 120 Spiel-, Kurz-, Dokumentar- und Kinderfilme sind an den vier Tagen zu sehen. 16 Spielfilme gehen hier in das Ringen um diverse Preise, unter anderem dem NDR-Filmpreis, dotiert mit 12.500 Euro, dem Publikumspreis (2.500 Euro) und dem Dokumentarfilmpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (2.500 Euro).

Zur Eröffnung der Nordischen Filmtage wird Petter Næss' Film und der norwegische Oskar-Beitrag um den besten nichtenglischen Film "Gekrallt" gezeigt, in der ein junger Mann auf amüsante Weise mit der vereinnahmenden Liebe seiner Freundin zu kämpfen hat. Der Norweger Næss, der bereits bei "Elling" die Regie führte, inszenierte die Geschichte auf der Basis des Bestsellers von Erlend Loe. Ein neues Meisterwerk präsentiert der Schwede Roy Andersson mit "You, the living". Andersson, der zuletzt mit "Songs from the Second Floor" weltweit erfolgreich war, erzählt in seinem neuen Film über merkwürdige Begebenheiten in einer schwedischen Kleinstadt. Um Verlust geht es in dem Psychodrama des Dänen Jannik Hohansen "Weiße Nacht" (nach einem Skript des Autors Thomas Jensen): Ein Immobilienmakler verursacht den Tod eines Menschen und verliert danach den Halt im Leben. Eine unter die Haut gehende Darstellung bietet "Wen man liebt" des Schweden und NFL-Preisträgers Åke Sandgren. Es wird ein sensibles Liebesdrama gezeigt, das schonungslos die Abhängigkeiten von Beziehungen offengelegt, die von Gewalt geprägt sind. Gleich drei Beiträge zu den Nordischen Filmtagen liefert Lars von Trier: Mit des Komödie "The Boss of it All" ist das jüngste Werk des bekannten Dänen zu sehen, ebenso die Satire "Erik Nietzsche - Die frühen Jahre", der erste Teil der Autobiografie von Triers, in der scharfsinning über die ersten Gehversuche im Filmgeschäft des Erik Nietzsche alias Lars von Trier erzählt wird.

Darüber hinaus ist der Kurzfilm "Occupations" zu sehen, von Triers eigenwilliger Beitrag zum diesjährigen 60. Geburtstag der Filmfestspiele von Cannes.

Heiter geht es in der Hommage an den kürzlich verstorbenenen Ingmar Bergmann "Das Lächeln einer Sommernacht" (Schweden 1955) zu: Auf einem Landgut kommt es unter den Herrschaften und bei der Dienerschaft zu Irrungen und Wirrungen sehnsüchtiger Herzen. Wunderbar märchenhaft wird der Kinderfilm "Es war einmal ein Junge, der eine kleine Schwester mit Flügeln bekam" - ein bunter, surrealer Musical-Spaß aus Dänemark um einen zehnjährigen Jungen, deren Schwester mit Flügeln auf die Welt kommt. Nicht märchenhaft präsentiert sich "Life Hits", ein Drama, dokumentarisch inszeniert, das von einem eskalierenden Streit unter Mädchen erzählt.

Unter den Dokumentarfilmen sticht "AFR", eine Dokumentarfilm-Parodie, in der der dänische Ministerpräsident vom schwulen Liebhaber ermordet wird, hervor. Der Film von Morten Hartz Kaplers sorgte in Dänemark für großes Aufsehen.

Liebhaber von Astrid Lindgren und Lasse Hallström können sich auf die Werkschau freuen. Zum 100. Geburtstag von Lindgren zeigen die NFL für alle kleinen und großen Kinder "Pippi Lang-

strumpf". "Neues von uns Kindern aus Bullerbü", eine Geschichte von Bullerbü in der Vorweihnachtszeit, ist ebenso zu sehen.

Im Filmforum Schleswig-Holstein, in dem 34 Werke von Filmemachern von den Filmhochschulen Köln, Lübeck und Kiel gezeigt werden, dominieren die ernsten Themen wie Abschied, Tod und Gewalt. "Underdogs" erzählt von der Freundschaft eines Hundewelpen zu einem brutalen Strafgefangenen, der diesen resozialisiert. Bis er den Hund abgeben muss... In "Yes I Am!"ziehen drei Mitglieder des Bandprojekts "Brothers Keepers" durch Deutschland, um über Rassismus aufzuklären. "Zeig mir den Weg" berichtet aus dem Alltag von vier jungen Mädchen aus Moisling, die in bescheidenen Verhältnissen leben. Es geht um Schule, Freizeit und vor allem die Zukunft.

Um den Norddeutschen Filmpreis der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein haben sich über 100 Filme beworben. Der Preis ist insgesamt mit 55.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien bester Spielfilm, bestes Drehbuch und bester Dokumentarfilm in der Filmpreisnacht am 3. November in der MuK vergeben.

Weitere Preise sind: Kirchlicher Filmpreis Interfilm (2.500 Euro), Baltischer Filmpreis, Kinder- und Jugendfilmpreis der Nordischen Filminstitute, Preis der Kinderjury (2.500 Euro), ComLine-Preis für einen Kurzfilm im Filmforum (2.000 Euro), Cinegate-Preis für einen Kurzfilm aus Schleswig-Holstein (5.000 Euro). Veranstaltet werden die NFL im Filmpalast Stadthalle, Mühlenbrücke 11. Das komplette Programm ist unter www.luebeck.de/filmtage.de einsehbar. Der Vorverkauf für alle Filme beginnt am 28. Oktober. msn

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