Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Oktober 2018

Ausgabe vom 04. März 2008

Weniger Tote - kleinere Friedhöfe

Konzept "Friedhof 2100" spricht von 50 Hektar kommunaler Friedhofsfläche

Seit Jahren hat die Lübecker Friedhofsverwaltung mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen. Jetzt hat der für den Bereich zuständige Bausenator Franz-Peter Boden einen drastischen Sparplan erarbeitet. Die Gebühren sollen sinken, damit die Beerdigung auf den städtischen Flächen wieder attraktiv wird. Mit den Kürzungen und den neuen Preisen müsse man "Billigbestattungen" und einer sinkenden Sterbezahl entgegenwirken. Des Weiteren habe sich im Laufe der Jahre das Bestattungsverhalten geändert: "Der Vorwerker Friedhof ist über 100 Jahre alt, 1979 wurden zusätzliche Flächen angegliedert. Damals ging man davon aus, dass die Bevölkerungszahl stetig wachsen werde, was bei den damals meist Sargbestattungen schnell zu Platzmangel geführt hätte. Mehr als 76 Prozent entschieden sich damals für einen Sarggrab als letzte Ruhestätte", erklärt Hainer Würz, Stadtgrün und Pflege. Da die Zahl der Urnenbeisetzungen, See- und Anonymbestattungen inzwischen die Überhand gewonnen habe, so Würz weiter, habe man gewaltige Überkapazitäten. Dies gäbe kein angenehmes Friedhofsbild und mache die Beisetzungskosten für kommende Generationen unbezahlbar. Darum müssen Flächen ausgegliedert werden.

Langfristiges Ziel ist es nun, die Bestattungsflächen das Vorwerker und des Waldhusener Friedhofs jeweils wieder auf deren ursprüngliche Größe zu reduzieren. Langfristig, so der Grundtenor des Bereiches Stadtgrün und Plege, reiche eine kommunale Friedhofsfläche von 50 Hektar aus. Für Waldhusen bedeute dies eine Einschränkung der Größe auf die Fläche südlich der Bahnlinie, der Vorwerker Friedhof bestünde schließlich aus dem so genannten "Schmetterling".

Die Stadt kündigt unterdes weitere Sparmaßnahmen an: Die Sargträger und Organisten sollen privatisiert werden, auch das städtische Krematorium soll an einen Investor verkauft werden. Betriebsbedingte Kündigungen bei den 104 Beschäftigten der Friedhofsverwaltung schließt Bausenator Boden ausdrücklich nicht aus.

Auf "Kundenfang" geht die Verwaltung mit weltoffenen und der Moderne angepasst anmutenden Angeboten. Ein kleiner und bisher für Bestattungen ungenutzter Teil am Ende des Vorwerke Friedhofs wird nach baulicher Abgrenzung als Tierfried-

hof privatisiert. Man plane zudem Sarggemeinschaften und Urnenwände.

Vorläufig wird die Bevölkerung wenig von den Veränderungen spüren. Nur die Vergabe von Gräbern in bestimmten Bereichen der zwei "Zentralfriedhöfe" wird eingeschränkt. So sollen auf dem Vorwerker Friedhof Randbereiche außer Dienst gestellt und Grabrechte in diesen bereichen nur noch bis 2030 vergeben werden. fem

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