Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 24. Juni 2008

Neue Anlage für die Telefonseelsorge

Alte Apparate streikten - Unhaltbarer Zustand für die Einrichtung

Wenn bei der Telefonseelsorge die Telefonanlage streikt, ist das ein echtes Problem. "Unsere Anlage war fünf Jahre alt und stürzte zum Jahreswechsel regelmäßig ab", berichtet Pastorin Marion Böhrk-Martin. Das sei für die Einrichtung eine große Katastrophe gewesen, da viele Anrufe so ungehört blieben. "Aber wenn die Telefone 24 Stunden am Tag im Einsatz sind und abwechselnd von 110 Ehrenamtlichen bedient werden, nutzen sie im Laufe der Zeit ab", so die Pas-torin weiter. Ihr kam die Idee, bei der Sparkasse zu Lübeck nachzufragen, ob sie helfend einspringen könne. Und sie konnte. Das Geldinstitut gab 2.000 Euro aus dem PS-Zweckertrag 2007 für eine neue Telefonanlage aus.

"Wir freuen uns, mit kleinen Bausteinen helfen zu können", so Frank Wohlfahrt, Sprecher der Sparkasse zu Lübeck. Er lauschte beeindruckt den Ausführungen von Marion Böhrk-Martin über die Arbeit der Telefonseelsorge und beschied ihr absolute Notwendigkeit der Einrichtung.

Pro Jahr gehen bei der Telefonseesorge rund 26.000 Anrufe ein, innerhalb von 24 Stunden versuchen 60 bis 80 Menschen das Haus zu erreichen. "Hinzu kommen pro Jahr zirka 250.000 Anklopf-Versuche, die dann zu der Telefonseelsorge Schwerin weitergeleitet werden", erklärt Böhrk-Martin. Sie möchte gern eine zweite Leitung einrichten, die für vier Stunden ab 15 Uhr geschaltet ist. Das sei die Hauptzeit, in der die meisten Anrufe kämen. Die Klientel der Anrufer ist in etwa so aufzustaffeln: morgens rufen meistens Frauen an, mittags Kinder (oft aber auch Scherzanrufe), nachmittags kommen die Anrufe von psychisch Kranken und Abends versuchen Berufstätige, jemanden bei der Telefonseelsorge zu erreichen. "Letztere stehen mit beiden Beinen im Leben, sind sozial gut integriert, haben Familie, Freunde, Arbeit - und dennoch Probleme. Oft sind sie überlastet, und sie wollen sich lieber erst mal anonym beraten lassen", so die Pastorin. In den Nachtstunden, so ab 3 Uhr, wird es für die Ehrenamtler oft ganz hart: Dann melden sich Suizidale und Selbstverletzer. Hier wird im Gespräch versucht, sie zu beruhigen und an weitere Stellen zu vermitteln.

Um Ehrenamtler bei der Telefonseelsorge zu werden, muss eine 15-monatige Ausbildung durchlaufen werden, um mit der Unterschiedlichkeit der Menschen und Fälle zurechtzukommen. Anschließend sind drei Jahre Dienst am Telefon vorgesehen (meist einmal pro Woche). Eine eigene Bewältigung von Krisensituationen und ein Alter ab 23 Jahre ist wünschenswert. Wer sich für das Ehrenamt interessiert, kann sich unter Telefon 0451/302481 melden.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos unter der Nummer 0800/1110111 zu erreichen. msn

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