Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. Oktober 2017

Ausgabe vom 08. Juli 2008

Suchtprävention am Arbeitsplatz

Gruppe hilft seit 15 Jahren süchtigen und gefährdeten Mitarbeitern

Vor 15 Jahren wurde die "Verfahrensregelung im Umgang mit alkoholkranken und gefährdeten Mitarbeitern" von der Arbeitsgruppe zur Suchtprävention ins Leben gerufen. Dies feierten ehemalige und aktuelle Mitglieder der Gruppe vergangene Woche im Kapitelsaal des Burgkloster.

Mit dabei war Dagmar Pohl-Laukamp, damalige Innensenatorin, die die Gründung maßgeblich auf den Weg brachte und für nicht wenig Aufsehen in den 90er Jahren sorgte.

"1996 war Alkohol ein ganz großes Thema in der Bürgerschaft", informiert Pohl-Laukamp. Und tatsächlich, in einer Chronik kann der Interessierte nachlesen, wie auch heute noch aktive Bürgerschaftsmitglieder ihre ein oder zwei Gläser Wein verteidigten. Oder ihren Joint in der Lobby. "Wir bauten damals einen Info-Tisch vor dem Bürgerschaftssaal auf, es gab sehr heftige Auseinandersetzungen. Sogar die Financial Times berichtete damals über Lübeck", sagt Helga Martens von der Arbeitsgruppe Suchtprävention.

Dagmar Pohl-Laukamp berichtete, warum sie sich so für diese Gruppe und ihre Gründung stark machte: "Ein Familienmitglied von mir ist Alkoholiker. Trockener Alkoholiker. Ein zweiter Grund war, dass vernünftige Lösungen gefunden werden mussten für Verfahrensregeln über den Umgang mit Alkohol". Die Suchtprävention nutze letztendlich Mitarbeiter und Arbeitgeber.

In der Arbeitsgruppe sind momentan 15 Mitglieder, die alkoholgefährdete oder -abhängige Kollegen Hilfestellung bieten. "Die Hilfe ist allerdings nur für Mitarbeiter der Stadt", so Helga Martens.

Meist würden Vorgesetzte die Mitglieder der Suchtprävention ansprechen, wenn sie merken, das mit einem Arbeitskollegen "etwas nicht stimmt". Auch sei Medikamentensucht ein Thema.

"Gefährdete Personen können natürlich auch von selbst zu uns kommen", sagt Helga Martens weiter. Sie und ihre Mitstreiter würden dann bei der Einleitung von weiterführenden Maßnahmen wie einer stationären oder ambulanten Behandlung, einer Selbsthilfegruppe oder einfach dem Arzt-Gespräch helfen.

"Suchtprävention hat zum Ziel, das Verhalten eines Menschen zu optimieren, damit er lernt, Verantwortung für sich selbst wahrzunehmen", fasst Dagmar Pohl-Laukamp die Arbeit der Gruppe zusammen. msn

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