Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 22. Juli 2008

Demo gegen Kieler Schulpolitik

"Kiel! Verdammt nochmal das ist zu viel! PISA - bye, bye"

Gestern war der erste Ferientag Lübecker Schüler. Ein arbeitsreiches Schuljahr und anstrengende Zeiten liegen hinter ihnen, noch härtere Zeiten kommen auf sie zu. Mit viel Engagement versuchten zahlreiche Gymnasiasten kurz vor den Ferien, doch noch was an diversen Sparplänen der Kieler Schulpolitiker zu drehen.

Wegfall von Stunden

"Lehrermangel", lautet der Begriff, an dem sich Pennäler wie Pauker aufreiben. So fallen an Lübecks Gymnasien im kommenden Schuljahr zahlreiche Wochenstunden weg. "Allein an unserem Gymnasium sind es

75 Stunden, also drei Lehrstellen", erklärt Hubert Beisch, Schulsprecher des Burckhardt-Gymnasiums.

Darum standen er und über 200 Mitstreiter des CaJaBu`s am vergangenen Mittwoch mehrere Stunden auf dem Lübecker Rathausmarkt und demonstrierten, während Vertreter des Johanneums mit sechs Bussen nach Kiel ausschwärmten, um dort vor dem Landeshaus auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. "Wir blasen Kiel den Marsch", war das Motto.

In Lübeck wurde derweil gesungen: "Kiel! Verdammt nochmal, das ist zu viel!" und "Kiel, unsere Stundenzahl nimmt ab. Kiel, so wird das mit dem Abi knapp." Geschrieben wurde der Protestsong von Linda Krause, Trägerin der Burckhardtprämie und frisch gebackene Abiturientin. "Ich bin mit der Schule durch", erklärt die 19-Jährige.

Doch was auf die zukünftigen Abiturienten verschärft zukommt, musste sie teilweise auch schon erfahren: "Letztes Jahr saß ich in einem riesigen Leistungskurs Biologie".

Stimmen aus der Politik

Im Lübecker Rathaus blieben die Proteste der Schüler nicht unbemerkt. Schulsenatorin Annette Borns: "Die Details zu den Sparmaßnahmen kenne ich nicht - sie sind Angelegenheit des Landes. Ich finde die Reaktion der Schüler gut, doch ist die Klassenstärke nicht das einzige Kriterium für die Qualität einer Schule. Ich selbst bin in riesigen Klassenverbänden groß geworden", so die SPD-Politikerin.

"Was die Landesregierung hier im Moment praktiziert, ist unerträglich", wertet Bernd Möller, Bündnis 90/Die Grünen, die Kieler Schulpolitik. Er halte es für berechtigt und nachvollziehbar, dass diese Emotionen in den Gymnasiasten hochkochen.

Jörn Puhle, Schulpolitischer Sprecher der Lübecker SPD zieht mit: "Der Protest ist völlig gerechtfertigt, denn man darf auch als Schüler nicht alles hinnehmen, was beschlossen wird." Die Ausstattung einer jeden Schule müsse so sein, dass man vernünftig Unterricht machen könne. Daher müsse sich auf Landesebene noch einiges bewegen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Schalies nimmt in Sachen Kritik kein Blatt vor den Mund: "Ich habe den unguten Verdacht, dass hier Lehrer zu Gunsten anderer Schulen von Gymnasien abgezogen werden." Würde sich dies bewahrheiten, sei es ein ungeheuerliches Täuschungsmanöver des Bildungsministeriums. Dagegen hält sich die CDU bedeckt. Man bedauere es sehr und wünsche sich mehr Lehrerstellen. "Eine ausreichende Lehrer- und Unterrichtsversorgung ist ein großes Ziel unserer Fraktion. Der Protest der Schüler ist gerechtfertigt, denn schlimmer darf es aus meiner Sicht nicht mehr werden", so Anette Röttger von der CDU-Fraktion.

Ragnar Lüttke, Die Linke, kritisiert die Landesregierung und unterstützt die Schüler in ihrem Protest gegen den Lehrermangel, die überfüllten Klassen und die vielen ausgefallenen Stunden: "Die Misere an den Schulen ist seit Jahren bekannt. Es muss endlich anerkannt werden, dass grundsätzlich etwas nicht stimmt." Lüttke verlangt, die akute Krise durch Neuanstellungen von Lehrkräften in ganz Schleswig-Holstein zu lösen. "Wir sehen keine andere Möglichkeit."

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