Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 29. Juli 2008

Lindenteller: Beschluss ohne Experten

CDU

Das ging aber schnell: Die "Bürger für Lübeck" (BfL) hatten sich laut ihrem Wahlprogramm insbesondere dadurch auszeichnen wollen, umsichtig zu prüfen und erst nach genauer Kenntnis aller unterschiedlichen Positionen zu einem Thema entscheiden zu wollen. Bei der Gestaltung des verkehrsreichsten Platzes in Schleswig-Holstein, dem Lindenplatz, galt nun ein völlig anderes Credo: Die bereits durchgeführte Verkehrsstudie, die zur Erhöhung der Sicherheit von Radfahrern und gleichzeitig zum Abbau von Staus eine Ausstattung mit Ampeln an den Einfahrten empfohlen hatte, wurde vom Tisch gewischt. Die CDU hatte sich in der letzten Wahlperiode von dem Konzept der wissenschaftlich arbeitenden Verkehrsplaner überzeugen lassen und die neue Mehrheit lediglich dazu aufgefordert, die Ergebnisse noch einmal im Bauausschuss vorstellen zu lassen - ohne Erfolg: Die neue Mehrheit hat entschieden; ohne Anhörung der Experten und gegen den Hinweis von Bausenator Franz-Peter Boden (SPD), dass die Ampeln insbesondere zur Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern beitragen sollten. Für die CDU bedeutet dies zunächst einmal den Stopp der Umgestaltung des Lindentellers zu einem sicher und schneller zu überquerenden Verkehrsknotenpunkt. Denn auch wenn die Vorstellung nicht sofort einleuchtet: Die Kreisellösung ohne Ampeln sichert nur bis zu einer bestimmten Anzahl von Kraftfahrzeugen einen optimalen Verkehrsfluss. Diese Menge ist am Lindenteller längst überschritten. Auch die geplante Brücke über den Stadtgraben wird den Radfahrern nicht mehr Sicherheit bieten: Die meisten werden den Umweg nicht nutzen. Die Entscheidung von Rot, Grün und Blau richtet sich gegen Radfahrer und Fußgänger. Und gegen den Expertenrat.

V.i.S.d.P: Andreas Zander

Autor: Dirk Freitag

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