Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 05. August 2008

Internationales Koggen-Treffen

Kiwanis Club Lübeck Hanse übergab historisch exakten Holzanker-Nachbau

Nach einem strahlenden Tag verdunkelte sich der Himmel am Freitagnachmittag zum 1. Internationalen Koggentreffen in Lübeck leider etwas, doch bot das Spektakel bis Sonntag hinreichend gute Motive zum Fotografieren, bestaunen und entdecken.

Nach und nach trafen unter Salutschüssen aus der "Landkanone", dem "Vivat" des Mittelaltervolkes und der dementsprechenden Antwort der Gäste mit der Kraweel "Lisa von Lübeck" die Koggen "Tvekamp af Elbogen" (Schweden), "Kamper Kogge" (Niederlande), "Kieler Kogge", "Ubena von Bremen", "Roland von Bremen" sowie die "Wissemara" ein. Spannend war es, der Einladung zum "Open Ship" nachzukommen. Fachkundige Antworten gab es allenthalben, und auch das eine oder andere "mittelalterliche" Souvenir wechselte Besitzer oder Besitzerin.

Lange Zeit geisterte der Begriff "Kogge" als "ein Schiffstyp" umher, zu dem hartnäckig auch das Hanseschiff gezählt wurde. Auch hier konnte man es klären: Sechs Koggen und eine Kraweel, nämlich das Hanseschiff, waren in Lübeck eingelaufen - und nicht "sieben Koggen". Denn auf kurze Formel gebracht, ist die Kogge ein "Endmodell" vielleicht sogar des Wikingerschiffes. Abgelöst wurde dieser Einmaster mit Schiffsrumpf in Klinkerbausweise erst weitere Jahrzehnte später nach Mitte des 15. Jahrhunderts im Ostseeraum durch die "Kraweel" (um 1470), ein Dreimaster (mit einem Hauptsegel), dessen Rumpfplanken "Stoß-auf-Stoß" verarbeitet und mit Pech und Fasermaterial kalfatert wurden. Die "Kieler Hansekogge" zeigt sogar bereits eine Misch-Konstruktion: Der Rumpf ist im Bodenbereich "karveel-", im Übrigen klinkergeplankt. Wie historisch belegt, ist das 1380 gesunkene und 1962 gefundene Original durchaus ein Hinweis darauf, dass die neue, dem Mittelmeerraum entstammende Kraweel-Bauweise auch im Ostseeraum viel früher bekannt war, als lange Zeit angenommen wurde.

Bis Sonntag fand auf dem "Werftgelände" des Lübecker Hanseschiffes ein buntes Treiben statt. Auch Ausfahrten waren möglich und der mittelalterliche Markt begleitete Besucherinnen und Besucher mit Angeboten, Spielen und (Wohl-)Gerüche versetzte sie in die Zeit der mittelalterlichen Hanse.

Auch ein Geschenk erhielt die "Lisa von Lübeck": Der Kiwanis-Club Lübeck spendete 2.000 Euro, mit dem ein historischer Anker gefertigt werden konnte und der Kraweel-Mannschaft übergeben wurde. RB

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