Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 14. Juli 1998

Frauen brauchen schnelle Hilfe

"Pro Familia" überlastet - Zusätzlicher Zuschuß von Stadt beantragt

Die Beratungsstelle "Pro Familia" hat sich mit der Bitte, einen festen Zuschuß von jährlich 20 000 Mark zu gewähren, an die drei Fraktionen in der Bürgerschaft gewandt. Damit soll in der Beratungsstelle eine zusätzliche Honorarkraft eingestellt werden, denn der An-drang der Ratsuchenden werden immer größer. "Die Frauen, die zu uns kommen, befinden sich meistens in einer psychisch und auch körperlich schlechten Verfassung", sagt Waltraut Radenbach, Leiterin der Lübecker "Pro Familia"-Beratungsstelle. "Sie brauchen Hilfe, und das schnell." In diesem Zustand könnten sie nicht einfach zu anderen Beratungsstellen geschickt werden - zumal auch die völlig überlastet seien.

"Pro Familia" in Lübeck finanziert sich aus unterschiedlichen Töpfen. Rund 80 Prozent werden durch Land und Kommune abgedeckt. Der Rest könne aber nicht mehr allein durch (zugewiesene) Bußgelder und Spenden finanziert werden. Der finanzielle Beitrag der Hansestadt besteht seit 1976 aus einem jährlichen festen Betrag von 1000 Mark und 40 Mark für jede Schwangerschaftskonfliktberatung nach Paragraph 218/219 (StGB).

Im vergangenen Jahr fanden 398 Schwangerschaftskonfliktberatungen bei "Pro Familia" statt. Das sind 23 Prozent mehr als 1995, und die Tendenz ist immer noch steigend.

Auch die sozialrechtliche Beratung von Schwangeren, die sich für ein Kind entschieden haben, hat zugenommen: 1997 waren es 84, in diesem Jahr sind es jetzt bereits 65 Beratungen. Sowohl die Beratungen nach Paragraph 218/219 als auch die sozialrechtlichen können nicht aufgeschoben werden. Die Konsequenz: Die Beratungsstelle kann der ebenfalls steigenden Nachfrage nach Paar- und Sexualberatung nicht mehr gerecht werden, so Radenbach.

"Wenn ich das Geld hätte, würde ich es ,Pro Familia' geben", sagt Sozialdezernentin Dagmar Pohl-Laukamp. Denn die Beratungsstelle sei für die Ratsuchenden wichtig, weil sie weder kirchlich noch städtisch gebunden sei. "Aber ich bin angehalten, im kommenden Jahr 6,2 Millionen Mark in meinem Bereich einzusparen."

Ein solcher Zuschuß könne daher nur von der Bürgerschaft beschlossen werden.

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