Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. Oktober 2017

Ausgabe vom 23. September 2008

Moderne Technik für kranke Bäume

Mit dem Impulstomographen können Krankheiten erkannt werden

Was Krankheiten bei Menschen aufzeigen kann, wird jetzt auch bei Bäumen angewandt: die Tomographie. In der Humanmedizin ist die Untersuchung "in der Röhre". Das Verfahren mit dem Impulstomographen, das der Bereich Stadtgrün seit diesem Jahr einsetzt, zeigt das Innenleben kranker Bäume durch Schichtdiagramme an. Dazu werden Sensoren am Stamm des Baumes befestigt, die quasi den "Patient durchleuchten" und die Leitfähigkeit der Impulse auf Diagrammen darstellen.

"Wenn Bäume krank sind, werden sie nicht einfach gefällt. Es wird um sie gekämpft", so Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). Eine Möglichkeit, die Lebensdauer zu erhöhen, sei beispielsweise das Stutzen. Doch manchmal hilft auch das nichts mehr.

"Wir versuchen zuerst, die Körpersprache des Baumes zu lesen", sagt Heinrich Paulsen, Lübecks Baum-Beauftragter. Krankheiten ließen sich am Zustand der Blätter oder am Fruchtbehang erkennen. Oder man sieht es direkt - wie bei der rund 150-Jährigen Platane auf dem Schulhof der Berend-Schröder-Schule. Das Naturdenkmal ist 28 Meter hoch, sein Stamm hat den stattlichen Durchmesser von 140 Zentimeter. Doch es ist deutlich zu erkennen: die Wurzelanläufe sind zerstört. So konnte ein Pilz ungehindert die Platane befallen und von innen aushöhlen.

Um die innere Zerstörung zu begutachten, kommt der rund 16.000 Euro Impulstomograph zum Einsatz: "Dieses Verfahren bringt keine zusätzliche Verletzung für den Baum", erklärt Paulsen. Bei anderen Maßnahmen, dem Bohrnadelverfahren oder dem Zuwachsbohrer, werden Proben entnommen und der Baum somit "verwundet". Die Messung mit dem Tomographen ist allerdings zeitintensiv - gute drei Stunden dauerte sie bei der Platane. Das Ergebnis wird mit dem Laptop sichtbar: eine Grafik zeigt einen rötlichen Innenbereich, was für Krankheit spricht. Der Außenbereich ist blau und grün, hier ist der Baum noch gesund.

Dennoch: "Die Platane muss gefällt werden, sie ist ein Sicherheitsrisiko und kann wegdrehen", sagt Heinrich Paulsen nicht ohne Bedauern. Das Ergebnis wurde mit die beiden anderen Verfahren nachgeprüft. In den Herbstferien soll die Platane gefällt werden. msn

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