Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 30. September 2008

"Das Ereignis war sehr bewegend"

Gedanken über den Tag der Deutschen Einheit

Am 3. Oktober wird der Tag der Deutschen Einheit zum 19. Mal begangen. Für die meisten Deutschen ist der Tag, auch der Mauerfall, noch immer von Bedeutung. Auch im Schlutuper Grenzmuseum wird dieses Thema behandelt. Zahlreiche Fotos und Zeitungsausschnitte veranschaulichen dort den historischen Tag. Die Lübecker Stadtzeitung fragte Passanten nach der Bedeutung des Tages und besonderen Erinnerungen:

Hildegard Kühn kommt aus Lübeck. Für sie habe der Tag eine große Bedeutung. "Endlich war Deutschland wieder vereint. Ich bin zwar immer hier gewesen, aber ich bin froh darüber, dass jeder jeden besuchen kann." Die 84-Jährige habe den Mauerfall vorm Fernseher erlebt. "Keiner konnte es begreifen. Es war sehr bewegend."

Der Chemnitzer Michael Müller freut sich noch immer über den Mauerfall. "Mauerfall heißt Grenzöffnung. Wir haben unsere Freiheit zurück bekommen und waren nicht mehr eingesperrt. Wir durften endlich wieder überall hin reisen." Er erzählt von seinem Ostseeurlaub 1989: "Man schaute vom höchsten Punkt in Grevesmühlen auf die Türme von Lübeck. Aber man durfte nicht hin. Das war traurig." Am Tag des Mauerfalls habe er über die Tagesthemen davon erfahren. "Das gibt`s doch gar nicht", habe er zuerst gedacht. Zwei Tage später habe er im Stau nach Hof gestanden. Zwei Stunden für zwanzig Kilometer.

"Der Tag läuft jetzt an mir vorbei. Ich bin Rentnerin und merke daher nicht wirklich, dass es ein freier Tag ist", erklärt Dr. Marion Schnitzler. Sie erinnere sich aber noch sehr gut an das "Trabbiklopfen" in Lübeck, nachdem die Grenze geöffnet wurde. Und an die Menschenmassen, die an der Grenze Andenken sammelten, so die 62-Jährige, die damals noch in Bad Oldesloe wohnte. Über die Medien wurde sie mit dem Ereignis konfrontiert. "So war die Wiedervereinigung."

Werner Schulz hat die Grenzöffnung direkt erlebt. Er habe damals 300 Meter von der Grenze entfernt gelebt. Was ihm sofort einfalle? "Der Trabbigestank um früh halb vier", lacht der 64-Jährige. "Heute tun alle so, als wäre nix passiert. Aber durch die Grenze sind viele umgekommen", wird er schnell wieder nachdenklich. So denke er am Tag der Deutschen Einheit ganz bewusst zurück. fem

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