Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 30. September 2008

Schmackhafte Hüte in des Sammlers Körbe

Die Hauptsaison für Pilzsammler mit etwas Verspätung begonnen

Der Oktober ist nah und damit auch die Pilzsaison. "Jetzt geht es richtig los", freut sich Pilzexperte Joachim Riedel. Bislang sei es zu trocken gewesen, so dass der diesjährige Startschuss etwas später fiel. Aber es könnte gut werden.

Doch es ist schon lange nicht mehr so wie früher. Joachim Riedel berichtet: "Der einfache Pilz, Marone, Steinpilz, Pfifferling, wird verstärkt zur Rarität." Riedels Erklärung klingt logisch. "Viele Pilzsammler konzentrieren sich auf die gängigen Pilzarten und ernten somit den Wald ab. Der Pilz hat keine Chance nachzuwachsen, oftmals wird das Myzel beschädigt. Der Pilz zieht sich zurück", so der 73-Jährige. Vielen fehle nun der "Hauspilz" und es mache sich Resignation und Frustration breit. Dennoch sei ein Ausflug in den Wald lohnenswert. Mit der nötigen Artenkenntnis könne man schnell eine vernünftige Mahlzeit zusammenbekommen. Vermehrt werde der Radikalschlag übertrieben. "Die Leute kommen mit vollen Körben zu mir und wollen meist nur wissen, ob ihr Pilzgut essbar sei." Das ärgere Riedel schon. Er finde es schade, dass eigentlich niemand mehr den Name seines "Findlings" wissen wolle und sich genauer mit den "beschirmten Naturwundern" auseinandersetze. Kompliziert wird es in ein paar Jahren. In Schleswig-Holstein gibt es noch ungefähr 15 Pilzexperten. Die meisten seien über 60 und der Nachwuchs fehle. In Kombination mit dem Schwund gängiger Arten sei dies eine "ungesunde Konstellation".

Pilze, und damit meinen die Sammler eigentlich nur den Fruchtkörper des Pilzes, sind wichtig für den Wald. An dem Pilzbestand eines Forstes lasse sich dessen ökologischer Zustand ablesen. "De een, de moakt wat, de annern freet allns up und de drüttn moakt den Schiet wedder wech.", erklärt Joachim Riedel. Gemeint sei damit die "Dreieinigkeit" zwischen Pflanzen (Produzenten), Tieren (Konsumenten) und den Resteverwertern, den Pilzen und anderen Desruenten. Anschließend räumt der Pilzexperte mit zahlreichen Vorurteilen auf. "Nicht alle Pilze mit Lamellen sind giftig. Man kann das ganze Jahr über Pilze sammeln. Außerdem kann man Pilze einfrieren, trocknen und wieder aufwärmen."

Viele erwarten sich von einem Experten Tipps, wie man Pilze einfacher finden könne. Doch damit könne Riedel nicht dienen. Ob morgens oder abends suchen - das sei egal. Nur solle man sich nicht alle Fruchtkörper vorher wegsammeln lassen. Habe man Glück, treffe man auf einen Hexenring, eine große Zahl ringförmig angeordneter Fruchtkörper. In hiesigen Wäldern könne man vermehrt auf den Rotfußröhrling, den Parasol und den Waldchampignon treffen. Auch ungenießbare und/oder giftige Pilze seien in der Region zu finden. Vor dem gelben und grünen Knollenblätterpilz, dem Risspilz und den Schwefelköpfen sei besonders gewarnt. fem

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