Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 30. September 2008

Munition in der Ostsee: Weggucken?

Bündnis 90 / Die Grünen

Auf den ersten Blick erschien die Meldung über das an den Timmendorfer Strand gespülte, vier Meter lange Torpedorohr als eine Nachricht unter vielen. Aber das ist sie nicht. Wir fragen uns, ob den verantwortlichen Ministerien die Tragweite dieses Ereignisses bewusst ist. Mit der Anspülung eines mehrere Meter langen Torpedos wurde nämlich eine Legende widerlegt. Bisher wurden wir bei kritischen Nachfragen stets mit der - gebetsmühlenhaft wiederholten - Aussage abgefertigt, dass die Altlasten aus dem zweiten Weltkrieg nach so vielen Jahren unweigerlich im Meeresgrund begraben, eingeschlickt oder durchrostet wären. Diese Auffassung hatte eine gewisse Plausibilität, ist aber seit der Anspülung eines so schweren und voluminösen Metallkörpers endgültig widerlegt. Wer jetzt noch den Handlungsbedarf leugnet, darf bei der nächsten Olympiade der Verdränger ganz oben aufs Treppchen. Wir fordern konkret: Der Grund der Lübecker Bucht muss jetzt flächendeckend untersucht werden - insbesondere in den küstennahen Bereichen. Die technischen Mittel sind zweifellos vorhanden. Die Zeiten des Wegguckens sind endgültig vorbei. Wir fragen: Wo befindet sich der zum Torpedokessel gehörige, mit Sprengstoff gefüllte, hochexplosive Gefechtskopf? Liegt er auch direkt vor dem Strand? Wenn von den Anrainern der Ostsee jetzt kein Druck auf die Verantwortlichen in Bund und Land erzeugt wird, wer soll ihn dann erzeugen? Lübeck ist gefordert. Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen jetzt endlich Taten sehen.

V.i.S.d.P.: Lilo von Holt

Autor: Karl-Heinz Haase

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