Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 24. Oktober 2017

Ausgabe vom 25. November 2008

Originalgetreue Sanierung

Restaurierung des Rathaus-Erkers und der Eingangsvorhalle abgeschlossen

Rechtzeitig zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes konnte die Verhüllung vom Lübecker Rathaus entfernt werden: Nach eineinhalb Jahren Bau- und Restaurationszeit präsentierten Bürgermeister Bernd Saxe und Bausenator Franz-Peter Boden (beide SPD) den restaurierten Fachwerk-Erker, ein repräsentives Detail des Rathauses, und die sanierte Eingangs-Vorhalle (Portikus). Zusammen kosteten beide Maßnahmen 592.000 Euro.

Die Tragfähigkeit des historischen und reich beschnitzten Renaissance-Erkers aus dem Jahre 1586, erbaut von Meister Tönnies Evers dem Jüngeren, war durch den Befall des "Bunten Nagekäfers" und Schwamm beeinträchtigt. Ursprünglich geplant war lediglich die Sanierung des Erker-Zimmers, das viele Jahre als Sitzungszimmer diente. "Bei näherer Betrachtung stellten Fachleute dann den Wurm- und Schwammbefall fest", sagt Hans-Peter Süfke, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck. Die Stiftung sowie die Engelbert und Hertha Albers-Stiftung und ein anonymer Spender stellten die Gelder für die Sanierung des Erkers und des Erkerzimmers von 192.000 Euro zur Verfügung. Zuletzt saniert wurde der Erker nachweislich 1890 und 1952.

Die in Lübeck ansässige Zimmerei Henning Thyen und die Restaurierungswerkstatt Karl-Heinz und Linde führten die fachgerechten Arbeiten durch. Die Einzelelemente der Tragkonstruktion und Konsolen sowie der beschnitzten Füllungen und Bekleidungen der klassischen Säulenordnung aus Karyatiden und dekorativen Fabelwesen wurden vor Ort ausgebaut, überarbeitet und teilweise ergänzt. Dem Bunten Nagekäfer rückten die Experten mit einem außergewöhnlichen Mittel zuleibe: mit dem Mikrowellen-Spezialverfahren. Dabei wurden die befallenen Holzteile dauerhaft erhitzt und den Tieren der Aufenthalt vermiest.

Die neue aktuelle Farbfassung erfolgte gemäß historischem Befund der Originalfassung. Die Schieferdacheindekkung sowie die Regenableitung wurden erneuert. Im kommenden Frühjahr soll eine kurze Endbehandlung der Farbfassung erfolgen. Die Kosten für die Sicherung und Wiederherstellung des Portikus betrugen 400.000 Euro. Hier musste mit einem speziellen technischen Abstützsystem mit hydraulischen Pressen die Sanierung des Tragsystems vorgenommen werden.

Durch verrostete Anker und verwitterte Kapitelle war die Tragfähigkeit der gotischen Bogenstellung des Portikus auf vier Säulenschäften nicht mehr gegeben. msn

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