Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 13. Januar 2009

Herreninsel - viel Lärm um Nichts

Bündnis 90 / Die Grünen

Die Herreninsel ist eine sozial intakte dörfliche Gemeinschaft in städtischer Umgebung. Die Menschen dort haben für das Privileg, besonders naturnah zu wohnen, stets ihren Preis gezahlt. Nämlich die unmittelbare Nähe zu Industrieanlagen. Immer schon gab es massive Lärmbelastung durch Flenderwerft, Herrenbrücke und diverse Baustellen. Darum ist der Betrieb auf den nahen Kais für die Insulaner das geringere Übel. Jetzt ist geplant, auf diesen Kais den Nachtbetrieb aufzunehmen. Was die sonst eher zur Ruhe tendierende Verwaltung der Hansestadt in helle Aufregung versetzte. "Die Insulaner könnten gegen den Nachtbetrieb klagen, weil es in der Nacht zu laut wird", hallt es durch die Stadt. Und darum müssten sie weg. Die aber wollen gar nicht klagen und würden das auch vertraglich festlegen. Das wäre richtig "wasserdicht", weil neue Insulaner ausschließlich durch Vererbung hinzukommen können. Weiterverkauf auf gemietetem Grund ist nicht ohne weiteres möglich. Die Stadt hat ihn seit Jahren gestoppt. Nun fragt man sich: Dürfen die das? Ist es rechtens, dass die Stadt mit Privatleuten einen Vertrag eingeht, der nächtliche Immissionsbegrenzungen aufweicht? Weil das eine juristisch komplizierte Materie ist, hat sich das Bundesverwaltungsgericht (Az.: BVerwG 4 BN 3.02 VGH 3 S 1628/00) mit einem analogen Fall beschäftigt. Das Gericht sagt: Das darf sein. Die Insulaner dürfen erhöhten Schalldruck in der Nacht rechtsverbindlich akzeptieren - wenn an den Häusern Maßnahmen zum passiven Schallschutz erfolgen. Menschlichkeit wäre also machbar.

V.i.S.d.P.: H.-J. Schubert

Autor: Karl-Heinz Haase

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