Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 20. Januar 2009

Flughafenbetreiber gibt auf

Infratil steigt aus Vertrag aus - die Hansestadt muss zahlen

Als himmlische Hochzeit gefeiert begann die Beziehung zwischen Infratil und Lübeck im Krisenjahr 2008 zu bröckeln. Am Freitag dann der Bruch: Infratil steigt aus dem Flughafenbetrieb Lübeck aus - der Hansestadt kommt die bevorstehende Scheidung teuer zu stehen.

Ausgleichszahlungen in Höhe von 23 Millionen Euro müssen geleistet werden, die Verluste, die der Flughafen bis zum Scheidungstermin am 22. Oktober schreibt, trägt Lübeck. Noch immer günstiger als Infratil jetzt schon fliegen zu lassen, denn die Hansestadt müsste sonst schon jetzt den schweren Kredit samt Zinsen tragen.

Nun muss die Hansestadt dringend einen neuen Betreiber für den Flughafen finden, denn noch im November war sich Bürgermeister Bernd Saxe sicher: "Das Thema Rückzug ist im Moment vom Tisch." Es hätte deutliche Signale gegeben, dass Infratil zu Lübeck stünde. Saxe will das Planfeststellungsverfahren dennoch zum Ende bringen, am Plan des Flughafenausbaus festhalten.

Das fordert auch die IHK Lübeck, denn "die Hansestadt braucht einen leistungsstarken Flughafen". Der Hauptgeschäfts-

führer der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, Professor Dr. Bernd Rohwer, hat anlässlich der Berichte zum möglichen Ausstieg der Beteiligungsgesellschaft Infratil an der Flughafen Lübeck GmbH die Bedeutung des Flughafens hervorgehoben. Der Flughafen sei ein wichtiger Impulsgeber für die gesamte Region, insbesondere für den Tourismus und ein äußerst wichtiger Standortfaktor gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Blankensee sei die einzige leistungsstarke Alternative zum Airport Hamburg-Fuhlsbüttel im gesamten norddeutschen Raum.

Gute Erreichbarkeit

"Der Wirtschaftsstandort Lübeck mit dem größten deutschen Ostseehafen ist definitiv auf eine gute Erreichbarkeit über Straße, Schiene und aus der Luft angewiesen. Es ist deshalb das gemeinsame Interesse von Politik und Wirtschaft, den Flughafen Lübeck zu erhalten und wie geplant auszubauen", so der Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.

Rohwer bescheinigt der Region Lübeck mit einem leis-

tungsstarken Flughafen sehr gute Zukunftschancen: "Gerade mit Blick auf die feste Fehmarnbelt-Querung kann Lübeck mit einem ausgebauten Flughafen zu einer der wichtigsten Drehscheiben in Europa werden.

Lübeck braucht die feste Brückenanbindung Richtung Skandinavien und gute Fluganbindungen in die anderen Regionen Europas."

Der Betrieb des Flughafen läuft jedenfalls weiter. Wenn sich kein Investor findet, muss die Stadt wieder zu 100 Prozent aufkommen. Bislang gehörten Lübeck zehn Prozent der Flughafengesellschaft.

Als Ursache für den kurzfristigen Austritt von Infratil nennt der neuseeländische Investor die Wirtschaftskrise. Kontinuierlich seien die Passagierzahlen gesunken, obwohl man die Fluglinien ausgebaut habe. fem

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de