Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 27. Januar 2009

Initiative gegen Kinderarmut

Vier Stiftungen und die Hansestadt richten Bildungsfonds ein

Der Armus- und Sozialbericht 2006 brachte erschreckende Zahlen ans Tageslicht: Die Armutsquote der Kinder in der Hansestadt steigt seit 2004 kontinuierlich und liegt mittlerweile bei über 30 Prozent. Um diesen Kindern zu helfen, ist jetzt der Bildungsfonds von der Stadt und vier Stiftungen ins Leben gerufen worden. Mit einem Etat von 1,5 Millionen jährlich - beginnend ab dem 2. Schulhalbjahr 2009 - soll Kindern, die von Armut betroffen sind, mehr Möglichkeiten gegeben werden, am Kindergarten- und Schulalltag teilzunehmen. Die Hansestadt steuert rund 400.000 Euro bei, 1,1 Millionen Euro teilen sich die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck, die Michael-Haukohl-Stiftung und die Jürgen-Wessel-Stiftung. Drei weitere Stiftungen prüfen derzeit ihre Teilnahme.

Neu und einmalig

"Der Bildungsfonds ist neu und deutschlandweit einmalig", so Bürgermeister Bernd Saxe. Möglich sei er, da so viele engagierte Stiftungen in der Hansestadt beheimatet seien.

Ein tägliches warmes Mittagessen, Betreuungs- und Bildungsangebote, Sprachförderung oder Schulausflüge sind Beispiele, die gefördert werden. Zunächst ist der Fonds auf Kindertagesstätten und Offene Ganztagsschulen begrenzt. "Künftig soll dann Schritt für Schritt die Möglichkeit, den Fonds zu nutzen, an allen Schulen gegeben werden", erklärt Angelika Kramm vom Fachbereich Kultur, zuständig für die Verwaltung des Fonds.

Ganz besonders freut sich Professor Hans Arnold, der sich gemeinsam mit Jan Lindenau, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, und Gerd Rischau, stellvertretender Vorsitzender der Wesselstiftung, im Arbeitskreis "Zukunft Lübeck", für die Belange hilfebedürftiger Kinder einsetzte, über das Zustandekommens des Bildungsfonds. "Das ist eine solide Grundlage, um die Bildungschancen deutlich zu verbessern". Für ihn sei ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Als einen "präventiven Ansatz, der langfristig Wirkung zeigen wird", bezeichnete Jan Lindenau den Fonds. "Es gibt Stadtteile, in denen 50 Prozent der Kinder von Armut betroffen sind. Wenn jetzt nichts geschieht - wo würden wir dann in fünf oder sechs Jahren stehen?"

Einfaches Verfahren

Das Verfahren, Anträge zur Förderung zu stellen, soll Eltern so einfach wie möglich gemacht werden. "Wir bauen auf gewachsenen Strukturen auf", so Angelika Kramm. Lehrer könnten Budgets beantragen - sie würden am ehesten mitbekommen, welche Kinder von Armut betroffen seien; aber auch Eltern könnten direkt bei der Fonds-Verwaltung Förderung für ihre Kinder beantragen. "Das geht ganz einfach mit dem Ausfüllen eines A4-Papiers und der kurzen Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse", sagt Klaus Peter Jürgensen, ebenfalls zuständig für die Fonds-Verwaltung "Wir legen Wert auf leicht handhabbare Budgets und Tranzsparenz für die Stiftungen", ergänzt Kramm.

Zusätzlich zu dem Bildungsfonds besteht ab dem nächsten Schuljahr die Möglichkeit, bei der Bundesinitiative "Schulbedarfspaket" eine Leistung von 100 Euro pro Schuljahr zum Erwerb von Schulranzen oder Schreib- und Rechenmaterialien, zu erhalten. msn

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