Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 03. Februar 2009

Was kostet die Welt

Die Linke

Stellen sie sich vor: Ein Auto fährt die Schüsselbuden entlang und den Fahrer überkommt plötzlich ein menschliches Bedürfnis. Leider ist gerade kein Parkplatz in Sicht und er entschließt sich in seiner Not das Auto auf der Markteinfahrt stehen zu lassen. Er rennt zur öffentlichen Toilette auf dem Markt und trifft auf Deutschlands teuerstes Klo. Mit 132 000 Euro Jahrespacht fast so teuer wie ein Eigenheim. Der Toilettengang auf dem Hightechklo kostet den Lübecker erträgliche 50 Cent, leider muss die Kommune für jede Spülung satte 2,70 Euro dazulegen. Diese eine Toilette kostet die Stadt fast genauso viel, wie alle anderen öffentlichen Toiletten Lübecks zusammen. Nun kommt eine Politesse und schreibt das falsch parkende Auto des Lübeckers auf. Der gute Lübecker verlässt das sich selbst reinigende Hightechsuperklo und entdeckt die Knolle an seinem Auto. Ein teures Geschäft, denkt er sich, aber wenigstens eines, das der Stadt Geld in die Kasse spült. Da hat er sich aber mächtig geirrt. Falsch Parken kostet nicht nur den Parksünder Geld, sondern auch die Stadt, wer hätte das gedacht? Durch Personal- und Verwaltungskosten macht die Bußgeldstelle im laufenden Jahr 900 000 Euro miese. Sollte man lieber auf alle Politessen verzichten? Gebühren sollten doch der Stadtkasse zu Gute kommen und sie nicht leeren. Als der Lübecker nachmittags spazieren geht, hat er die Sache noch immer nicht verstanden. Er sinniert auf einer Bank über die Gebührenordnung und schont seinen Rücken an den schönen Lehnen. Zum Glück weiß er nicht, dass die Aufrüstung mit Rückenlehnen 14 000 Euro gekostet hat.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

Autor: Ragnar Lüttke

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