Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 17. Februar 2009

Otto-Pankok-Preis für Menschenrechtlerin

Günter Grass ehrt Sintezza Lalla Weiss im Lübecker Rathaus

Am vergangenen Sonnabend hat die von Günter und Ute Grass gegründete "Stiftung zugunsten des Romavolks" den Otto-Pankok-Preis 2009 an die niederländische Menschenrechtlerin Sintezza Lalla Weiss verliehen. Die Übergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises fand im Bürgerschaftssaal des historischen Lübecker Rathauses statt. Es war die vierte Verleihung des "Otto-Pankok-Preises" der erstmals 1997 verliehen wurde an den Künstler und Grass-Lehrer Otto Pankok (1893-1966).

Sintezza Lalla Weiss habe den Preis verdient, denn sie sei "das Gesicht nach außen" für die Sinti und Roma in den Niederlanden, so der als Laudator geladene Onkel der Preisträgerin, Zoni Weisz, stolz. Außerdem sei die 1961 geborene "noch immer eine hervorragende Problemlöserin", die freiwillig von ihrem Geburtshaus in einen Wohnwagen umzog. Sie ist, gemeinsam mit dem Team des "LSRO" (Landelijke Sinti en Roma Organisatie), das ihr Vater, Hannes Weiss, 1980 gegründet hat, Ansprechpartnerin für lokale und nationale Behörden. Lalla Weiss wurde bereits mit dem "Marga-Klompé-Preis" geehrt, erhielt den "Zami-Award" und den Verdienstorden "Ridder in de Orde van Oranje Nassau".

Den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis erhielten am Sonnabend die finnlandschwedische Autorin Cia Rinne und der dänische Fotograf Joakim Eskildsen für ihr Werk "Die Romareisen", für das sie sieben Jahre lang Reisen in sieben Länder unternahmen, die Lebensweise der Roma dokumentierten und diesen Bildern einfühlsam Texte zur Seite stellten. "Je mehr wir über die Sinti und Roma erfuhren, desto größer wurde unser Interesse und unsere Sympathie für sie. Wir wunderten uns, wie wenig die Mehrheitsbevölkerung im Allgemeinen über die Sinti und Roma-Minderheiten wusste", so Cia Rinne in ihrer Dankesrede.

Erschütternd sei es, dass sich die Vorurteile über die Minderheiten generationenübergreifend hielten, das Wissen aber nicht über einen peinlich bescheidenen Rahmen hinaus ginge. "Wir wünschten, dem etwas entgegenzuwirken und das Leben der Menschen, die wir kennengelernt und lieb gewonnen hatten, von innen zu schildern und die Roma als die starken Individuen zu zeigen, als die wir sie gesehen hatten."

Eine Ausstellung ihrer Arbeiten ist unter dem Titel "Bewegende Fotos - Romareisen" bis zum 22. März im Kulturforum Burgkloster zu sehen. Im Steidl-Verlag erschien der Fotoband "Die Romareisen". fem

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de