Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 24. März 2009

Ausgrabungen auf "Baulücke"

Gelände zwischen Becker- und Fischergrube hält interessante Zeitzeugen bereit

Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die das rund 25-köpfige Ausgrabungs-Team auf dem Areal Beckergrube/Ellerbrook (neben Possehl) momentan erlebt. Die ausgegrabenen Funde bringt die Historie dieser Fläche ans Licht: Bis zum 13. Jahrhundert verlief hier noch die Trave, das Ufer befand sich in Höhe des Theaters. Dann begannen die Hanseaten, "in die Trave hineinzusiedeln", wie Prof. Dr. Manfred Gläser, Bereichsleiter der Archäologie und Denkmalpflege, erzählt. Die Menschen schütteten die Trave mit Erdreich und Schutt auf. So bauten Lübecks "Ureinwohner" ganze 45 Hektar in den Fluss - das entsprach einer Vergrößerung des damaligen Lübecks um 50 Prozent. Freigelegt wurden jetzt Mauerreste von Häusern, die bis zum 14. Jahrhundert zurückgehen und bis in das 20. Jahrhundert weiter ausgebaut wurden. Ebenso fanden sich Kloaken, hölzerne Wasserleitungen und Drainage-Fässer. Nach der Bombennacht am 28. März 1942 standen hier keine Häuser mehr - die Fläche wurde nie wieder bebaut. Seit vielen Jahren diente sie als Parkplatz für Possehl.

Die Firma BIG-Gewerbebau, die auch die Kosten der Ausgrabungen übernimmt, erwarb 2007 das 4.750 Quadratmeter große Grundstück. Nach Abschluss der Ausgrabungsarbeiten entsteht hier ein Wohnkomplex mit dem Schwerpunkt auf seniorengerechtem Wohnen. Wo jetzt noch fleißig gegraben wird, können die Mieter dann ihre Autos parken - in der Tiefgarage.

Unter den ausgegrabenen Funden befinden sich Keramikgefäße, teilweise reich verziert, Steinzeug aus dem Rheinland, Importgeschirr aus Portugal, ein Senftöpfchen aus Frankreich, Mahlsteine aus Vulkanlava, Schmuck und sehr viel Glas - die hochwertigen Funde lassen auf wohlhabende Familien schließen. msn

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