Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. Oktober 2017

Ausgabe vom 24. März 2009

Ein Zeichen setzen gegen Rechts

Kirche ruft Lübeckerinnen und Lübecker zu Teilnahme am Protestmarsch auf

Zum vierten Mal infolge wird die Hansestadt am Sonnabend Schauplatz eines nicht so schönen Spektakels: Rechtsradikale werden im Musikerviertel in St. Lorenz Nord durch die Straßen ziehen. Hintergrund des "Gedenkmarsches" ist die Bombardierung der Innenstadt in der Nacht zum 28. März 1942 - ein Vergeltungsschlag für die Bombardierung der englischen Stadt Coventry.

In Lübeck gibt es gegen den Neonazi-Aufmarsch ein breites Bündnis "Wir können sie stoppen", das aus Vereinen, Verbänden, Kirchen und Privatpersonen besteht. Kurz vor dem Demonstrationstag machte die Kirche auf die Wichtigkeit des friedlichen Widerstandes aufmerksam. "Wir wollen eine schlimme Erinnerung nicht missbraucht wissen", sagt Pröpstin Petra Kallies. Die Neonazis nutzten die Bombennacht für ihre eigene Propaganda. "Das Nazi-Regime war menschenverachtend und wir können die Propaganda dafür nicht akzeptieren", ergänzt Propst Franz Mecklenfeld. Die Kirche hätte sich oft berechtigte Kritik anhören müssen, damals nicht genug getan zu haben, doch das sei eine Lehre gewesen. "Jetzt stellen wir uns ganz entschieden gegen rechtes Gedankengut", so Mecklenfeld weiter.

"Das Nazi-Regime spricht gegen alles, was Glauben ist", sagt Pastor Joachim Kirchhoff, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Er freue sich, dass die Lübecker Politiker geschlossen nach Jahren relativer Zurückhaltung offen ihren Protest gegen die Nazi-Demo kundtun. "Besonders begrüßenswert ist die Rede von Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer". Politiker müssten mit gutem Beispiel für die Bürger vorangehen und auch über parteipolitische Gräben springen, erklärt Kirchhoff.

Dass der Antisemitismus in ganz Europa gewachsen sei, sieht Maria Jepsen, Bischöfin von Lübeck und Hamburg, nicht ohne Sorge. "Die erste Christenpflicht ist für die Würde von Mensch und Glauben einzutreten". Wichtig sei zudem, sich nicht auseinandertreiben zu lassen. "Christen, Demokraten - einfach alle, die mutig gegen die Nazi-Ideologie kämpfen, müssen zusammenbleiben". Jepsen hofft, dass die Polizei sich gewaltfrei verhalten und beide Gruppen, die Neonazis und die Prostestler, auseinanderhalten kann.

Die Protestdemo wird auf dem Bahnhofsvorplatz stattfinden, während die Neoanzis durch den "Hintereingang" des Bahnhofes nach St. Lorenz Nord geleitet werden. So sollen beide Seiten nicht aufeinandertreffen.

Die Kirche lädt alle Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen Rechts stark machen wollen, um 9 Uhr zu Gottesdiensten in die Kirchen St. Marien, Herz-Jesu, Luther-Kirche, St.-Matthäi und i ndie St. Lorenz-Kirche am Bahnhof ein. Im Anschluss geht der Protestmarsch in einer sternförmigen Prozession zum Hauptbahnhof. Bereits am 27. März lädt die Bodelschwingh-Kirche im Musikerviertel um 16.30 Uhr zu einer Friedensaktion, ein Zeichen gegen Hass und Gewalt, ein.

Die Stadt weist darauf hin, dass im gesamten Bereich der Innenstadt und St.-Lorenz mit erheblichen Behinderungen und Einschränkungen durch das Demonstrationsgeschehen - acht verschiedene Demos sind angemeldet - zu rechnen ist. Eine Ballung wird am Mittag und frühen Nachmittag im Bereich des Bahnhofs erwartet. msn

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