Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 05. Mai 2009

Das Frauenbüro wird 20 Jahre jung

Festakt zum Jubiläum im Rathaus und Rückblicke in einer Broschüre

Einen Grund zum Feiern hat das Lübecker Frauenbüro: Es wird 20 Jahre alt. Seit dem

15. Mai Mai 1989 gibt es in der Hansestadt durch einen entsprechenden Bürgerschaftsbeschluss vom 28. Januar 1988 die Institution "Frauenbeauftragte" und das hauptamtlich besetzte Frauenbüro. Am 8. Mai wird das Jubiläum ab 16 Uhr im Rathaus feierlich begangen.

Das Frauenbüro erwuchs aus dem bereits 1985 gegründeten Verein "Frauenbüro Lübeck e. V.". und nahm mit zwei Gleichstellungsbeauftragten (Angelika Birk, jetzt Landtagsabgeordnete der Grünen bis 2010 und Sabine Haenitsch, jetzt HEG-Prokuristin) und drei Verwaltungsmitarbeiterinnen die Arbeit auf.

Erste Schwerpunkte der neuen Institution war die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum, beispielsweise in Parkhäusern, auf schlecht beleuchteten Wegen oder in dunklen Unterführungen. Auf Initiative des Frauenbüros legte Lübeck Mindeststandards für die Parkhaus-Ausstattung fest. Ein Frauen-Nacht-Taxi gab es ab 1992, das in dem Modell "ASTi-Nacht-Taxi" mündete - das allerdings aus Finanzgründen im Jahr 2007 abgesetzt wurde. Das Frauenbüro beteiligte sich am 8. März 1994 am deutschlandweiten Frauenstreiktag, um gegen die Nichteinhaltung der im Grundgesetz verankerten Gleichberechtigung zu protestieren (1994 wurde der Art. 3 Abs. 2 im Grundgesetz geändert. Zu "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" kam hinzu: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin").

"Diese Beispiele sind nur einige weniger aus der Arbeit unseres Büros", erläutert die jetzige Leiterin des Frauenbüros, Elke Sasse. Seit zehn Jahren ist sie im Job, seit 2003 als einzige Gleichstellungsbeauftragte. Aus 4,5 Stellen im Jahr 1989 sind nun drei Stellen im Jahr 2009 geworden - eine ist allerdings nicht besetzt. "Die Stelle ist noch nicht frei gegeben. Über die Besetzung und Ausschreibung soll der neue Finanz- und Personalausschuss beraten, doch dazu muss dieser erst einmal tagen", sagt Sasse mit ein wenig Resignation. "Das Frauenbüro der Stadt Elmshorn hat genau so viele Mitarbeiter wie wir jetzt - nur mit dem Unterschied, dass Lübeck etwas größer ist". So hofft die Leiterin weiter auf Unterstützung bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit, die zur Hälfte aus "Innen-" und zur Hälfte aus "Außenpolitik" besteht: "Wir begleiten die Stadtverwaltung bei Neubesetzungen von Stellen und Umstrukturierungen, schauen, ob Frauen hier nicht benachteiligt werden", erklärt Elke Sasse.

Ebenso prüft sie Verwaltungsvorlagen, die in der Bürgerschaft abgesegnet werden, und gibt Stellungnahmen dazu ab, oft auch unaufgefordert. Nach außen ist das Frauenbüro Kooperationspartner für viele Lübecker Institutionen, wie der Beratungsstelle Frau & Beruf, dem evangelischen Frauenwerk oder der Arge.

Insgesamt ist Sasse mit der Entwicklung der Frauenpolitik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zufrieden. "Die Rahmenbedingungen haben sich innerhalb der letzten Jahrzehnte schon sehr geändert. Gerade der Rechtsanspruch auf Kindergarten- und Krippenplätze (letzteres ab 2013) hilft Frauen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon sehr". Dennoch gebe es immer noch Nachteile für Frauen, wie beispielsweise die schlechtere Entlohnung bei gleicher Arbeit.

An ihrem Job liebt Elke Sasse die Vielfältigkeit der Menschen und der Themen, mit denen sie in Berührung kommt. "Ich begegne Menschen mit ganz unterschiedlichem sozialen Status, das ist interessant und eine Herausforderung zugleich".

Über die 20-jährige Arbeit des Frauenbüros gibt eine Broschüre Auskunft, die zum Jubiläum erscheint. In ihr hat jedes Jahr ein Thema, beispielsweise Frauen und Wohnen, Schutz vor sexueller Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz, Kinderbetreuung, Lebensqualitiät...

Wer am 8. Mai um 16 Uhr bei den Festivitäten zum Jubiläum dabei sein möchte, kann sich umgehend per Telefon unter 0451/1221615, per Email: frauenbuero@luebeck oder per Fax: 0451/122-1620 anmelden.

Als Schmankerl wirbt Sasse für den Festvortrag von Prof. Jutta Allmendinger, Leiterin des Wissenschaftszentrums Berlin, zum Thema "99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont? Die Perspektiven junger Frauen von heute". Abgerundet wird die Feier durch Beiträge zum Lübecker Frauenbüro, musikalischen Einlagen und einem kleinen Imbiss. msn

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