Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 26. Mai 2009

Schützen gehören zum Volksfest

Traditionelles Scheibenschießen erstmals im Festzelt auf dem Platz

Vom 26. Juni bis 12. Juli findet in Lübeck das 161. Volks- und Erinnerungsfest statt. Viel ist in der Vergangenheit geschimpft worden: zu langweilig und zu teuer sind die Haupt-Schimpfgründe. Früher sei alles besser gewesen.

Nun, wie wäre es, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, dieser Traditionsveranstaltung in der Hansestadt noch eine Chance geben? Dazu geben wir Ihnen an dieser Stelle im zweiwöchentlichen Rhythmus die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Volksfestes zu schauen und Neuigkeiten zu erfahren.

Ihre SZ-Redaktion

Am 28. Juni 1848 nahm alles seinen Anfang: Die Lübecker Bevölkerung versammelte sich vor dem Holstentor zum "Schiebenscheeten" (Vogel- und Scheibenschießen), das der Lübecker Schützenverein, damals zehn Jahre jung, organisierte. Besonders an diesem Tag war, dass erstmals Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung am Schießen teilnehmen durften. Und: Kurz bevor die Leute zum Bürgerschützenhof, der sich auf dem Areal des heutigen Bahnhofs befand, marschierten, traf die Postkutsche aus Hamburg mit Zeitungen ein, die die frohe Kunde vom ersten Parlament in Deutschland überbrachten. Diese Nachricht stimmte die Menschen damals so froh, dass aus dem Marsch ein wahrer Festzug und dieser jährlich, mit anschließendem Fest, wiederholt wurde. Darum ist das Lübecker Volksfest eben auch ein und Erinnerungsfest. "Es hat eine urdemokratische Bürgertradition, und wenn man es ganz genau nimmt, wird mit dem Fest das Grundgesetz gefeiert", sagt Ekkehard Merbeth, Vorsitzender des Kreisschützenverbandes und des Lübecker Schützenvereins von 1839 e. V.

Auch ihm ist die Veranstaltung, wie den vielen ehrenamtlichen Organisatoren und Helfern, immens wichtig und ans Herz gewachsen.

Besondere Freude verspürt der Lehrer darüber, dass es in diesem Jahr ein Festzelt auf dem Volksfestplatz geben wird, in dem aufgrund spezieller Wände mit dem Luftgewehr auf Scheiben geschossen werden kann. "Vor Jahren gab es bereits ein Festzelt, aber schießen durfte man darin nicht, sondern etwas abseits. Als es gar kein Zelt mehr gab, wurde parallel zum Volksfest auf unserem Vereinsgelände St. Hubertus geschossen und an-

schließend der Schützenkönig gekrönt". In diesem Jahr erfolge die Proklamation des Schützenkönigs am 11. Juli im Festzelt. "Jeder kann am Schießen teilnehmen. Und: Niemand braucht Angst davor haben, Schützenkönig zu werden, denn er muss nicht die ganze Stadt auf seinen Sieg einladen". Der Gekrönte darf im nächsten Jahr auf einem Festwagen zum Umzug einen Ehrenplatz einnehmen, geschmückt mit der wertvollen Silberkette des Schützenvereins, die Jahr um Jahr um eine Plakette wächst.

"Schießtage" auf dem Volksfestplatz werden der 28. Juni, 1., 3., 4., 8., 10. und 11. Juli sein, jeweils von zirka 17 bis 21 Uhr. "Dazu wird ein attraktives Rahmenprogramm geboten", verrät Merbeth. Er hoffe auf viele Neugierige, die den Schießsport und den Verein kennenlernen möchten. "Es würde mich freuen, wenn die Menschen einen Hauch davon erfahren, dass Schießen ein echter Sport ist, auch wenn er arg in die Kritik geraten ist". Die kaum fassbaren Ereignisse, gerade zuletzt in Winnenden, seien persönliche Verfehlungen einzelner Person, die sich nicht an die Auflagen hielten und beispielsweise die Pistole nicht sicher verwahrten. "Generell achten Sportschützen auf die Einhaltung der Auflagen und Gesetze, weil sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Wir wissen, dass dieser Sport nicht ungefährlich ist". Das einige den Ruf dieses Sports mit Unbedachtheit ruinierten, sei überaus traurig.

Aufgrund dieses Hintergrunds hofft Merbeth dennoch auf viele Neugierige, die sich am Volksfest ein wahres Bild von dem Sportschießen machen möchten. Kennenlernen kann man den Schützenverein allerdings nicht nur zum Fest. Der Verein trainiert immer donnerstags ab 18 Uhr (Gewehrdisziplin) sowie dienstags und freitags von 18 bis 20 Uhr (Kurzwaffen) auf dem Schießstand St. Hubertus 1, beim Hotel und Restaurant "Zum fabelhaften Hirschen", Ratzeburger Landstraße. Anmeldungen nimmt Ekkehard Merbeth unter Telefon 0451/2907315 (Anrufbeantworter) entgegen, ebenso die Schriftführerin Eva Bothmann unter Telefon 0451/83929. msn

In zwei Wochen stellen wir Ihnen an dieser Stelle das Leben einer Schaustellerfamilie vor.

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