Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 07. Juli 2009

Zwei Bücher erinnern an Erich Mühsam

Am 10. Juli jährt sich der 75. Todestag des Lübecker Dichters und Anarchisten

Gleich zwei Bücher, die einen engen Bezug zum Lübecker Erich Mühsam haben, wurden vergangene Woche im Buddenbrookhaus, Sitz der Erich-Mühsam-Gesellschaft, vorgestellt.

Zum einen befasst sich Albrecht Schreiber, der seit Jahren die Geschichte der Juden in Lübeck aufarbeitet, mit Mühsam, der am 10. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet wurde. Das Buch "Gedenke der vorigen Zeiten", eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage des 1992 vom Archiv der Hansestadt Lübeck herausgegebenen Publikation "Zwischen Davidstern und Doppeladler" trägt den Untertitel "Illustrierte Chronik der Juden in Moisling und Lübeck". Es enthält eine zusammenfassende Einführung und die bebilderte Chronik der Juden Moislings und Lübecks von 1350 bis heute. In den abschließenden Kapiteln befasst sich Schreiber mit dem Werden und Wirken Mühsams als Apotheker, freier Schriftsteller, Boheme, anarchistischer Revolutionär und Ehemann; seiner schwierigen, emanzipiert-jüdischen Familie mit dem despotischen Vater;_mit anderen berühmten Lübeckern wie Heinrich, Thomas und Viktor Mann, zu denen er in Kontakt stand und mit den Auseinandersetzungen mit der Justiz, seiner Festungshaft, seiner Festnahme im Jahr 1933 und seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten.

Frank-Thomas Gaulin, Kunstkenner und Mitglied der Bürgerschaft sowie des Kulturausschusses, bezeichnete Albrecht Schreiber als "kreativer Pensionär und Kenner der jüdischen Geschichte". "Lübeck kann stolz sein, sein Werk hier zu haben". Besonders wertvoll sei Schreibers Arbeit, um die unterschiedliche Situation der Juden im Stadtteil Moisling und in Lübeck an sich darzulegen.

Das zweite vorgestellte Buch wurde von der Erich-Mühsam-Gesellschaft herausgegeben und zeigt 107 Linolschnitte von Clément Moreau aus den Jahren 1937 bis 1938. Moreau (1903 - 1988), geboren als Carl Meffert, legte sich sein Pseudonym im Exil zu, um nicht aufgegriffen zu werden. In seinen Linolschnitten reflektiert er seine tiefe Abscheu gegen den Faschismus und die Gewalt. Zu Erich Mühsam lebte er Ende der zwanziger Jahre in Berlin in Nachbarschaft, beide wirkten in der "Roten Hilfe" mit. Viele der Linolschnitte von Moreau befassten sich mit der Ermordung Mühsams - sie sind in "Nacht über Deutschland" zu sehen. Für damalige Zeiten waren die Schnitte, die die Ermordung Mühsams darstellten, lebensgefährlich, beriefen sich die Nationalsozialisten auf Selbstmord Mühsams. Erst in den sechziger Jahren wurde die Ermordung Mühsams "zugegeben". msn

Albrecht Schreiber, "Gedenke der vorigen Zeiten", Illustrierte Chonik der Juden Moisling und Lübeck, Edition Nord, ISBN 978-9811975-4-9

Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Heft 32, Clément Moreau, "Nacht über Deutschland", 107 Linolschnitte aus den Jahren 1937-1938, ISBN 978-3-931079-41-3a

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