Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 14. Juli 2009

Projekt soll Schwangeren helfen

Ausweglose Situationen können durch (anonyme) Beratungen entschärft werden

Jede Meldung von getöteten oder durch Aussetzen umgekommenen Neugeborenen schreckt auf. "Das kann nicht, das darf nicht sein" denken verständislos nicht nur diejenigen, die selbst Kinder haben.

Seit Jahren versuchen Kommunen wie Lübeck, Schwangeren und Müttern, die keinen Ausweg mehr wissen, diesen zu bieten - in Form der Babyklappe (seit 2001) und der anonymen Geburt (seit 2003). "Beide Angebote sollen jedoch die letzte Möglichkeit darstellen", betont Ute Röder, Leiterin des Pflegedienstes des Marien-Krankenhauses. Röder, die 15 Jahre als Hebamme arbeitete und um die Sorgen so mancher Mutter und Schwangerer weiß, ist mit in dem Projekt "Hilfe! Schwanger in Lübeck" involviert. Insgesamt sieben Institutionen, neben dem Marien-Krankenhaus sind das die Beratungsstelle pro familia Lübeck, die Caritas-Beratungsstelle für Frauen, Familien und Schwangere, die Schwangeren und Schwangerschaftskonfliktberatung der Gemeindediakonie Lübeck, die Frühe Hilfen am Kinderschutz-Zentrum Lübeck und die Adoptionsvermittlung der Hansestadt Lübeck, wollen mit dem Projekt über Hilfen für Schwangere informieren und heimliche Geburten oder Kindstötungen verhindern. Dafür wurden 600 Plakate und 10.000 Handzettel gedruckt, die in ganz Lübeck verteilt werden.

Die Einrichtungen, die allesamt Beratungen während der Schwangerschaft und danach anbieten, verfolgen ein Ziel: So viele Babys wie möglich sollen bei der Mutter aufwachsen. Babyklappe und anonyme Geburt seien die letzten Instanzen. "Es ist für jedes Kind wichtig zu wissen, wo es herkommt", sagt Christa Theobald von der Adoptionsvermittlung des Jugendamtes. Bei einer "normalen" Adoption kann das Kind später seine leiblichen Eltern kennenlernen; bei einer "Inkognito-Adoption" (das Baby wurde ausgesetzt, in die Babyklappe gegeben oder anonym geboren) allerdings nicht. "Das bedeutet ein Leben lang seelischen Schmerz. Für jeden Menschen ist das Wissen um seine Herkunft von großer Bedeutung", so Theobald. Alle Projektbeteiligten wollen deshalb die Hemmschwelle senken, sich Hilfe, die von allen Institutionen anonym angeboten wird, zu holen. Bisher wurden in Lübeck elf Babys in die Babyklappe gelegt; zwei Babys wurden anonym im Marien-Krankenhaus geboren. Frauen, die ihre Babys in fremde Hände geben, kommen aus allen Bevölkerungsschichten und haben unterschiedlichste Gründe dafür.

Weitere Infos und Beratungsadressen gibt es unter www.hilfe-schwanger-luebeck.de. msn

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