Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 28. Juli 2009

TraWo: Alkohol an Jugendliche?

Aktionsbündnis gegen Alkoholmissbrauch soll Kinder und Jugendliche schützen

Landesweit verzeichne man eine stetig steigende Zahl Kinder und Jungendlicher, die mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden müssen. Deswegen formierte sich im Vorfeld der TraWo ein Aktionsbündnis, das zur Einhaltung des Jugendschutzgesetzes motivieren und über Risiken des Alkoholkonsums aufklären möchte.

"So groß ist die Nachfrage von Jugendlichen bei uns nicht. Wir hätten mehr erwartet", erklärt Heidi Pöhlsen vom Erdbeer-Bowle-Stand. "Es wollten zwar schon vier etwa 14-Jährige bei uns was kaufen, aber das ist die Ausnahme." Man halte sich aber an die Bestimmungen, auch wenn nicht jeder Stand mitziehe. "Schöner wäre es, wenn keiner mehr Alkohol an Kinder und Jugendliche ausschenke. Aber selbst dann sind wir machtlos, wenn die Eltern den Kindern was abgeben." Die Nachfrage, gerade von jungen Frauen, sei bei alkoholfreier Bowle stark gestiegen. Darauf müsse man reagieren und nächstes Jahr eine solche mit anbieten. Manuel Späthe vom Enjoy-Live-Stand ist direkt an der Caipi-Bar platziert: "Ich sehe, wer hier die Treppe hochstolpert. Vielen sieht man an, dass sie noch keine 16 sind. Da kann man sich als Standbetreiber nicht rausreden. Da wird mutwillig Alkohol ausgeschenkt." Späthes Einschätzung zu Folge, seien noch immer viele Betrunkene junge Menschen unterwegs. Kontrollen gäbe es zwar, aber die Reaktionen blieben aus. Andrea Heidmann (15): "Naja, ein paar Bier-Mix hab ich schon getrunken, aber nicht so, dass es auffallen würde", erklärt sie schwankend. Jetzt sei sie nur müde, "aber das ist normal, wenn man den ganzen Tag gefeiert hat." Kontrolliert habe man sie nicht. "Und wenn, dann hab ich eben den Ausweis vergessen oder lasse jemand anders das Getränk holen." TraWo sei schließlich nur einmal im Jahr. Wie Silvester eben. Unter den knapp 800.000 Besuchern der ersten TraWo-Halbzeit ist auch Marc Reppe (18). Er passt auf, dass er keinen Alkohol trinkt. "Ich hab grade frisch den Führerschein. Daher nur Apfelschorle. Und meine Mitfahrer dürfen sich auch nicht volllaufen lassen."

Sollten dennoch Kinder und Jugendliche aufgrund einer Alkoholvergiftung im Uniklinikum stationär behandelt werden müssen, erhalten diese im Rahmen einer Krisenintervention ein Gesprächsangebot. Seit Beginn der TraWo wurden weniger als fünf alkoholisierte Kinder und Jugendliche eingeliefert. fem

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