Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 15. Dezember 2017

Ausgabe vom 18. August 2009

Lübecks Natur in den besten Händen

Wie sieht die Arbeit einer Behörde aus, die unsere Umwelt verwaltet?

"Lübeck hat eine Naturschutzbehörde? Das wusste ich ja gar nicht!" So zeigte sich eine Besucherin bei einer öffentlichen Veranstaltung erstaunt, als sie mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Behörde an deren Informationsstand sprach. Senator Thorsten Geißler und das Team in der Lübecker Naturschutzbehörde möchten das ändern. Die 16 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wollen zudem zeigen, dass sie in dieser Behörde keine verstaubten Akten wälzen, sondern mit Menschen und für Menschen daran arbeiten, Lübecks Naturkostbarkeiten zu erhalten und zu verbessern.

Naturschutzbehörde?

Sicher haben einige Menschen in Lübeck schon mal Kontakt mit der Naturschutzbehörde gehabt, vielleicht wenn sie einen Baum fällen wollten, andere haben zumindest davon gehört, dass es eine solche städtische Einrichtung gibt. Aber die wenigsten Menschen wissen, welche Aufgaben eine Naturschutzbehörde wahrnimmt.

Recht ausgefallen hören sich die behördlichen Fachbegriffe zugegebenermaßen an: Von "Eingriff" oder "Ausgleich" ist da die Rede. Eigenwillige Begriffe wie "Landschaftsplanung" oder "Gewässerschutzstreifen" werden genannt. Aber dahinter verbirgt sich eine fachkundige Arbeit von Biologen, Landespflegern und Verwaltungsleuten, die alles anderes als trocken und unverständlich ist. Konkret sorgen sie z.B. dafür, dass ein so einmaliges Gebiet wie das Dummersdorfer Ufer an der Untertrave beweidet wird und damit blüten- und tierartenreich bleibt. Sie organisieren naturkundliche Wanderungen, um den Lübeckerinnen und Lübeckern ihre Naturkostbarkeiten nahe zubringen. Sie engagieren sich, um natürliche Vegetation an anderer Stelle wiederentstehen zu lassen, wenn Natur wegen einer neuen Bebauung beseitigt werden muss. In solchen Fällen setzt sich Senator Thorsten Geißler als Leiter des Fachbereichs dafür ein, dass die Argumente der Naturschutzbehörde im Senat und in der Politik angemessen gehört und berücksichtigt werden.

Was gut ist, soll bleiben

Das ist einer der Grundsätze der Behördenarbeit. Ob es sich um alte Bäume in Lübeck oder um die Naturschutzgebiete "Grönauer Heide", "Priwall" oder das "Dummersdorfer Ufer" handelt, die Naturschutz-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen informieren, verhandeln und entscheiden.

Als Leiter der Naturschutzbehörde macht sich Landespfleger Frank D. Lammert für die kostbarsten Naturflächen stark, wenn sie durch geplante Neubauten oder zu intensive Nutzung bedroht sind. Dabei kommt es immer wieder zu Gratwanderungen zwischen dem Naturschutz und den anderen berechtigten Interessen in einer Stadt. "Als junger Mann habe ich mich sogar mal vor eine Kettensäge gestellt, um eine Abholzung zu verhindern", erzählt Frank Lammert, "heute habe ich effektivere Methoden, Konflikte im Naturschutz zu lösen. Stolz kann Lübeck z.B. darauf sein, dass es gelungen ist, die Grönauer Heide mit ihren Tausenden von Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, auch wenn der Flughafen ausgebaut werden sollte". Kollege Klaus Breitrück ergänzt: "Die Naturschutzbehörde hat mit ihrer Arbeit zur Konfliktlösung erreicht, dass die Natur nicht zum Verlierer, aber auch, dass Naturschutz nicht zum Hemmschuh für wirtschaftliche Entwicklung geworden ist."

Landespflegerin Ursula Hillebrand ist die Naturschutz-Managerin, wenn es um Pflege der Naturschutzgebiete, beispielsweise um Schafbeweidung in der Grönauer Heide, geht.

Einfamilienhaus kontra Wachtelkönig?

Für neue Wohngebiete wie dem Bornkamp oder Hochschulstadtteil stellt die städtische Stadtplanung Bebauungspläne auf. Die Landespfleger in der Naturschutzbehörde prüfen bei solchen Planentwürfen, ob es Planungsalternativen gibt, so dass ggf. weniger Natur zerstört werden würde. In der Naturschutzbehörde ist Landespfleger Michael Zeckel der Fachmann für naturgerechte Bebauungsplanung. "Ist eine Nutzungsänderung auf einer Fläche unvermeidbar, prüfe ich, ob die zerstörte Natur auf einer anderen Fläche wieder hergestellt werden kann. Natürlich kann man Verlorenes nicht 1:1 nachbauen. Die Natur hat ja auch eine sehr lange Zeitspanne gebraucht, um ein Moor oder einen Wald entstehen zu lassen. Wir versuchen jedoch, für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, auf neuen Flächen eine gute Ausgangslage zu schaffen. Dazu wird zum Beispiel eine Wiese neu angelegt und weniger stark genutzt, als es unter wirtschaftlicher Landnutzung üblich ist."

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe mehr über die Arbeit der Naturschutzbehörde, schöne Fleckchen in Lübeck und geplante Projekte.

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