Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 17. Dezember 2017

Ausgabe vom 01. September 2009

Lübecks Wald als Modellbeispiel

Hoch gelobt: Das Konzept der naturnahen Waldnutzung

Hohen Besuch erwartete Dr. Lutz Fähser, Leitender Forstdirektor im Stadtwald Lübeck, am vergangenen Freitag: Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN) Prof. Dr. Beate Jessel und die Unterabteilungsleiterin im Umweltministerium (BMU) Dr. Elsa Nickel kamen in die Hansestadt, um sich im Lauerholz ein Bild über Lübecks einmaliges Modell der naturnahen Waldnutzung zu machen.

Die beiden wichtigen Damen im Naturschutz Deutschlands waren voll des Lobes: "Der Wald spielt in der biologischen Vielfalt und in der Bewältigung der Folgen des Klimawandels eine große Rolle", so Beate Jessel. Die Bundesregierung habe das strategische Ziel, bundesweit fünf Prozent der Wälder ungenutzt zu lassen.

Das Lübecker Konzept der naturnahen Waldnutzung sieht zehn Prozent als "Referenz"-, also Lernfläche vor. Hier kann der Wald quasi wachsen wie er will, ohne dass die Menschenhand eingreift. "Es gibt auf dieser Fläche keine Pflanzungen und keinen Kahlschlag", so Lutz Fähser. Das Konzept wurde in der Hansestadt 1994 eingeführt und seitdem mehrfach ausgezeichnet. Lübeck macht es vor, dass die rund 5.000 Hektar Stadtwald ökologisch bewirtschaftet werden und trotzdem - oder gerade deshalb - auch ökonomisch sind. "Wir schreiben schwarze Zahlen", erklärt der oberste Förster Lübecks. Rund 200.000 Euro im Jahr nehme die Hansestadt durch den Stadtwald ein. "Und diese Summe könnte sogar verdoppelt werden - durch den Handel mit CO2-Zertifikaten". In den letzten 15 Jahren seien durch den Wald rund 100.000 Tonnen Kohlenstoff zusätzlich gebunden worden, so Fähser.

Fähser erklärt die Vorteile eines Referenzwaldes gegenüber des Wirtschaftswaldes: "Größere Zuwächse, gleiche und bessere Qualität der Baumstämme, größere naturale Produktivität und größere Wirtschaftlichkeit". Hinzukämen "Leistungen" wie Erholungszwecke, Klima, Naturschutz, CO2-Bindung und Anpassung an Klimaveränderungen. "Der natürliche Wald ist ein Anpassungskünstler". Fähser rechnet vor, dass in 40 Jahren in Lübeck ein Reinertrag von 102 Euro pro Hektar Waldfläche zu erzielen sei und pro Kubikmeter Holz 27 Euro. "Das Doppelte als anderswo". "Wir hoffen, dass das sehr erfolgreiche Lübecker Modell weitergeführt wird und der Stadtwald in öffentlicher Hand bleibt", betont Beate Jessel. Es sei notwendig, langfristig zu denken und auch vor dem Hintergrund finanzieller Probleme den Wald nicht zu privatisieren. "Es wäre dumm, eine Kuh die man melken kann, nach außen zu verkaufen", bekräftigt Elsa Nickel.

Der Stadtwald Lübeck ist seit 1163 im Besitz der Hansestadt und diente im Mittelalter als Lieferant für den Häuser- und Schiffsbau. msn

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