Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 06. Oktober 2009

Die innerdeutsche Grenzstadt

Lübeck nahm über Jahrzehnte eine Sonderstellung im geteilten Deutschland ein

Viele können sich noch an den Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 erinnern. An die Ungläubigkeit, die wohl jeden ergriff, als Egon Krenz, damaliger SED-Generalsekretär, verkündete, dass die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland jetzt offen sei. Nach über vier Jahrzehnten fielen die Grenze und die Mauer in Berlin buchstäblich in sich zusammen und mit ihr ein ganzer Staat, der seit 1949 als Deutsche Demokratische Republik existierte.

Die Hansestadt Lübeck nahm als einzige Großstadt an der deutsch-deutschen Grenze eine Sonderposition ein. Diesem Thema ist die Ausstellung "Grenzerfahrungen - vom Leben mit der innerdeutschen Grenze bei Lübeck" im Kulturforum Burgkloster gewidmet. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 3. Oktober 2010. Für die Zusammentragung und Auswertung der Daten, Fakten, Fotos, Objekte und Zitate zeichnet sich Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch verantwortlich. Von ihr erschien bereits zu Jahresbeginn das gleichnamige Buch.

"Mich interessierte ganz besonders der regionale Fokus, mit dem die Menschen in Lübeck und in Nordwestmecklenburg die Grenzöffnung erlebte", so Meyer-Rebentisch. Lübeck habe bereits nach dem Zweiten Weltkrieg eine besondere Stellung eingenommen. "Die Bevölkerungszahl wuchs damals um 40 Prozent - von 150.000 auf 250.000 Einwohner". Als Großstadt an der Grenze sei Lübeck doppelt von der Teilung Deutschlands betroffen gewesen. Auch aus diesem Grund widmet die Hansestadt dem Mauerfall zwei Jahre, in denen zahlreiche Veranstaltungen und jetzt die Ausstellung ihren Platz haben.

Meyer-Rebentisch hofft ganz besonders, die nachgewachsene junge Generation, die die Einheit noch nicht bewusst miterlebte oder später geboren wurde, für das wichtige Thema zu sensibilisieren. "Schulklassen sind zu Führungen herzlich willkommen!" Ausstellungsbesucher erwartet ein buntes Spektrum von Wandtafeln mit Texten und Fotos vom Mauerbau und -fall, von Zwischenfällen an der Grenze, der Berliner Luftbrücke ab dem Flughafen Blankensee, Zitaten von West- und Ostdeutschen, ein großes originales scharfkantiges Zaunsegment mit Modellen von Selbstschussanlagen, die das "Rüberklettern" unmöglich machten, Uniformen von NVA-Soldaten und dem Bundesgrenzschutz, einen originalen DDR-Grenzstein, das "Westpaket" mit Kaffee und Schokolade - aber auch das günstige, weil subventionierte "Ostpaket" mit Brot (im Original-Osteinkaufbeutel), Büchern und Noten. Und natürlich, er darf nicht fehlen: Der Trabant, liebevoll "Trabbi" genannt, wartet in seiner hellblauen Pracht auf seine Bewunderer.

"Die Ausstellung bietet Raum für Gegensätze - für die Stasi-Aktivitäten und die friedliche Revolution, beispielsweise gegen die Mülldeponie Schönberg". Bürgerschaftsmitglied Bruno Böhm (Bürger für Lübeck), merkt dazu an: "Das ist immer noch ein aktuelles Thema".

Das Kulturforum Burgkloster, Hinter der Burg 2-6, hat von dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr (vom 1. Januar bis

31. März 2010 von 11 bis 17 Uhr) geöffnet. Am Montag, dem 9. November ist das Kulturforum zu Erinnerung an 20 Jahre Mauerfall ganztägig geöffnet. msn

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de