Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 24. Oktober 2017

Ausgabe vom 06. Oktober 2009

Schmackhafte Hüte lassen auf sich warten

"Es ist fraglich, ob die Saison überhaupt noch startet"

Der Oktober ist da und damit auch die Pilzsaison - könnte man meinen. "Im Moment ist noch nichts los und ob die Saison überhaupt noch startet, ist fraglich", erklärt Lübecks Pilzexperte Erhard Sacher etwas wehmütig. Viele Pilze kämen in diesem Jahr möglicherweise gar nicht mehr, da die Nächte zu kalt seien und es zu lange trocken war. "Die Pilze brauchen Feuchtigkeit, aber keine kalten Füße". Dagegen tun könne man nichts. "Ich muss mich der Natur beugen, fand selbst in fast zwei Stunden kaum etwas", so Sacher. Der September sei im letzten Jahr gut gewesen, dieses Jahr sehr schwach. Die Natur bestimme, ob das im kommenden Jahr Folgen habe.

Unter guten Bedingungen kämen aber auch in diesem Jahr noch die Herbstpilze wie beispielsweise Hallimasch oder ein paar Röhrlinge wie der Steinpilz.

"Doch es ist schon lange nicht mehr so wie früher", berichtet Pilzexperte Joachim Riedel: "Der einfache Pilz, Marone, Steinpilz, Pfifferling, wird verstärkt zur Rarität." Riedels Erklärung klingt logisch. "Viele Pilzsammler konzentrieren sich auf die gängigen Pilzsorten und ernten somit den Wald ab. Der Pilz hat keine Chance nachzuwachsen, oftmals wird das Myzel beschädigt. Der Pilz zieht sich zurück." Vielen fehle nun der "Hauspilz" und es mache sich Resignation und Frustration breit.

Pilze, und damit meinen die Sammler eigentlich nur den Fruchtkörper des Pilzes, sind wichtig für den Wald. An dem Pilzbestand eines Forstes lasse sich dessen ökologischer Zustand ablesen. "De een, de mook wat, de andern freesns op un de drittn magn den Schiet wieder wech", erklärt Joachim Riedel. Gemeint sei damit die "Dreieinigkeit" zwischen Pflanzen (Produzenten), Tieren (Konsumenten) und dem Resteverwerter Pilz (Destruenten).

Anschließend räumt der Pilzexperte mit zahlreichen Vorurteilen auf. "Nicht alle Pilze mit Lamellen sind giftig. Man kann das ganze Jahr über Pilze sammeln. Außerdem kann man Pilze einfrieren, trocknen und wieder aufwärmen." Ist man sich unschlüssig, ob ein Pilz essbar sei oder nicht, ist es angebracht, zur Pilzberatung ins Museum für Natur und Umwelt zu gehen, an jedem Sonnabend Nachmittag im Oktober in der Zeit von 14.30 Uhr bis 17 Uhr. Dort berät Erhard Sacher ehrenamtlich im Museum, Musterbahn 8. Der Pilzkenner gibt Informationen zur Pilz-Ausstellung und hält Anschauungsexemplare bereit. Wichtig sei, dass man keinen Korb unbekannter Exemplare mitbringe, sondern nur einen einzelnen Pilz.

Aber das werde wohl nicht so schnell vorkommen. "Im Moment lohnt sich das Suchen nicht." fem

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