Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 13. Oktober 2009

Der Ihlen-Berg kreißte und gebar...

Lübecker BUNT

In den Lübecker Stadtteilen, die am nächsten zur Giftmülldeponie Ihlenberg/ Schönberg liegen, erkranken nicht mehr Menschen an Krebs als in den anderen Stadtteilen auch. Dies geht aus einer Statistikauswertung hervor, die Professor Alexander Katalinic, Leiter des Landes-Krebsregisters, jüngst im Umweltausschuss präsentierte. Die lange erwartete Auswertung wurde mit Erleichterung aufgenommen. Verliert damit die hochproblematische Müll-Lagerstätte, die einst zur Devisenbeschaffung für die DDR an der Staatsgrenze zum Klassenfeind angelegt wurde, für Lübeck ihren Schrecken? Leider nein. Denn Katalinic wies auch darauf hin, dass seine Aussage nur für den Zeitraum 1998 bis einschließlich 2006 gilt. Und sie bezieht sich nur auf bestimmte Krebsarten, die man aus der Nähe von Giftmülldeponien kennt. Immerhin: Bis 2006 ist demnach von den meldepflichtigen Ärzten nichts gemeldet worden, was auf erhöhte lokale Krebsraten hinweist. Andere Erkrankungen, wie Fehlgeburten oder Missbildungen bei Neugeborenen wurden allerdings nicht erfasst. Auch für andere Erkrankungen, die in Zusammenhang mit der Deponie stehen könnten, konnte Katalinic keine Aussagen machen. Und: Über die Jahre 2007 bis 2009 liegen noch nicht alle ärztlichen Meldungen vor. Für eine Entwarnung ist es unserer Ansicht nach daher noch zu früh. Weitere Untersuchungen und Expertisen sind nötig, darauf müssen wir Bürger unbedingt bestehen. Auch wenn wir Harmonie vorziehen und uns gute Nachrichten lieber sind als Horrormeldungen, müssen wir weiter kritisch und wachsam sein und fragen besser einmal zu viel nach als einmal zu wenig.

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